Die Erderwärmung ließ die globalen Durchschnittstemperaturen bis zum Jahr 1998 auf ein Rekordhoch steigen, dann aber stockte sie für einige Jahre. Klimaforscher versuchen seitdem herauszufinden, ob es sich bei diesem "Temperaturhiatus" um natürliche Schwankung eines komplexen Systems handelt und ob die Erderwärmung derzeit vielleicht nicht die Atmosphäre der Erde sondern – zum Beispiel – vor allem den Ozean erwärmt, bis dieser die überschüssige Wärme dann irgendwann wieder weitergibt. Nach Belegen für diese These hatte man bis dahin vor allem im Pazifik gesucht. Dabei wäre der Atlantik vielleicht der bessere Kandidat für die Suche nach überschüssiger Wärme, meint ein Forscherteam nun.

Erderwärmung
© NASA, Goddard Institute for Space Studies (GISS)
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Abweichungen der Durchschnittstemperaturen der Jahre 2005 bis 2009 verglichen mit der Zeit von 1951 bis 1980: Gelbe und rote Töne geben höhere, blaue Farben hingegen kühlere Werte wieder. Im globalen Rahmen zeichnet sich eine deutliche Erwärmung ab, die in der Arktis besonders ausgeprägt ausfiel.

Die Forscher kommen zu dem Schluss nach einer gründlichen Auswertung von Temperatur- und Salzgehalt-Messungen, die seit 1970 im Atlantik in Tiefen von bis zu 1500 Metern erhoben werden. Die Daten zeigen, dass das Wasser des Atlantiks unterhalb von 300 Metern in den letzten 14 Jahren mehr Wärme gespeichert hat als alle anderen Ozeane zusammen. Die lang gesuchte überschüssige Wärme sei damit gefunden, meinen die Wissenschaftler. Wahrscheinlich habe das Förderband von Golfstrom und Co im Atlantik damit zu tun: Sie transportieren salzreiches warmes Wasser zum Nordatlantik, wo es absinkt und dabei einiges an Wärme mit sich führt. Dieser Wärmeüberschuss ist dann in der Tiefe erst einmal für einige Zeit dem atmosphärischen Kreislauf entzogen.