Trotz aller Schutzanstrengungen und Gesetze: Jedes Jahr fallen in den Staaten rund um das Mittelmeer mindestens 25 Millionen Zugvögel der meist illegalen Jagd zum Opfer. Eine Gruppe von Wissenschaftlern hat nun für Birdlife National die Zahlen zusammengetragen und 20 Hotspots ermittelt, an denen rund ein Drittel dieser Tiere stirbt. Sie verteilen sich auf nur vier Staaten: Libanon, Ägypten, Syrien und Zypern. Für Letzteres gilt eigentlich die strenge europäische Vogelschutzrichtlinie. Als die beiden schlimmsten Zentren der Jagd identifizierten die Forscher Famagusta auf Zypern, mittlerweile auch als "Schwarzes Loch für Europas Vögel" bekannt, und das ägyptische El Manzala. Allein hier sterben jeweils jährlich bis zu einer Million Vögel.

Überhaupt könnte Ägypten mittlerweile Italien als gefährlichstes Land für Zugvögel abgelöst haben: Bis zu elf Millionen Tiere werden hier jedes Jahr gefangen und getötet. An der Mittelmeerküste ziehen sich Fangnetze über dutzende Kilometer hin. Und Kontrollen sind in diesem Land schwieriger durchzuführen als in Europa, da es in Teilen gefährlicher zu bereisen ist. Außerdem gibt es in Ägypten weniger Ornithologen und Naturschützer, die das Treiben überwachen und aufzeichnen könnten. Die höchste Dichte an Jägern und Opfern pro Quadratkilometer weisen allerdings Malta, Zypern und der Libanon auf.

Am stärksten betroffen sind Mönchsgrasmücken, Turteltauben und Singdrosseln, von denen im Frühling und Herbst bis zu einer Million und mehr Individuen getötet werden. Bedenklich ist dies besonders bei Turteltauben und Singdrosseln. Ihr Bestand ist in vielen Teilen Europas in den letzten Jahren zurückgegangen. Bei der Turteltaube betragen die Bestandseinbrüche regional sogar 90 Prozent und mehr – und die Jagd verschärft diese Situation erheblich. Nur in wenigen Fällen dienen die Tiere als Ergänzung der Grundnahrung. Meist enden sie als teure Delikatessen (Zypern), als Trophäen oder werden schlicht aus Spaß erlegt.