Weltweit leiden mindestens 350 Millionen Menschen unter Depressionen – und die Zahl steigt weiter. Viele Mediziner suchen daher nach Möglichkeiten, auch über die Ernährung das psychische Leiden zu verhindern oder zumindest zu lindern. Nun weist eine umfangreiche Metastudie von Dongfeng Zhang von der Qingdao-Universität und seinen Kollegen darauf hin, dass ein hoher Fischkonsum womöglich das Risiko verringert, an Depressionen zu erkranken – zumindest unter Europäern. Das Team hatte weltweit nach Studien gesucht, die den Zusammenhang zwischen einer fischhaltigen Ernährung und psychischen Leiden untersucht hatten, und letztlich insgesamt 26 Arbeiten mit insgesamt 150 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern analysiert. Die Mehrzahl davon stammte wiederum aus Europa und Nordamerika, weshalb Zhang und Co diese Studien als statistisch relevant betrachten. Zumindest für unseren Kontinent stellten sie dann fest, dass der häufige Genuss von Lachs, Kabeljau und Co das Depressionsrisiko gegenüber fischarmer Ernährung durchschnittlich um 17 Prozent verringerte, wobei der Effekt bei Männern noch stärker ausgeprägt war als bei Frauen.

Zhangs Team nimmt dieses Ergebnis allerdings selbst vorsichtig auf, da es sich vorerst nur um eine statistische Beobachtung handelt – zumal sich die Studien auch darin unterschieden, wie der Fischkonsum im Einzelnen gemessen wurde. Zudem geht aus der Arbeit nicht hervor, wie die regionale Verteilung der Probanden aussieht. Spanier beispielsweise verzehren sehr viel Fisch, gleichzeitig liegt die Suizidrate – ein potenzieller Indikator für die Zahl schwerer Depressionen – unter dem europäischen Schnitt. Umgekehrt konsumieren aber auch Finnen und Norweger überdurchschnittlich viele Meeresprodukte, doch begehen hier deutlich mehr Personen pro 100 000 Einwohner und Jahr Suizid. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass noch viele weitere regionale Faktoren wie beispielsweise die Sonnenscheindauer oder die Tageslänge Einfluss haben. Zudem deutet eine fischreiche Ernährung an, dass die entsprechenden Esser prinzipiell einen gesünderen Lebensstil pflegen, was wiederum das Depressionsrisiko mindern hilft.

Immerhin deuten biomedizinische Studien darauf hin, dass die in Fisch reichlich enthaltenen Omega-3-Fettsäuren Zellmembranen im Hirn verändern können und auf diese Weise die Aktivität von Botenstoffen wie Dopamin und Serotonin steuern. Beide Hormone gelten als wichtige Faktoren dafür, ob sich Depressionen entwickeln oder nicht. Umgekehrt haben sich aber auch andere Versprechungen der Omega-3-Fettsäuren nicht erfüllt: So kann die regelmäßige Einnahme von Omega-3-Nahrungsergängzungsmitteln offenbar nicht verhindern, dass wir mit zunehmendem Alter geistig abbauen.