Der so genannte Super-El-Niño 2015 hat in den letzten Wochen und Monaten weltweit ein Wetterchaos ausgelöst: Während in Südostasien und Australien Regen ausblieb, ließen Niederschläge die Atacama-Wüste erblühen und Flüsse in vielen Regionen Südamerikas über die Ufer treten. Von der NASA veröffentlichte Satellitendaten zeigen, dass der diesjährige El Niño seinem Pendant der Jahre 1997/98 überhaupt nicht nachsteht – und zudem auch noch nicht schwächelt: Im Ostpazifik vor den Küsten von Zentral- und Südamerika breitet sich weiterhin eine riesige Warmwasserblase aus, während sich im Westpazifik unterdurchschnittlich temperierte Wassermassen befinden. Normalerweise sind die Verhältnisse umgekehrt.

Vergleich der Niño-Ereignisse 1997 und 2015
© NASA / JPL-Caltech
(Ausschnitt)
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Verglichen mit dem starken El Niño 1997/98 ist der Meeresspiegelanstieg im Ostpazifik (rot/weiß) etwas weniger stark. Dafür ist die betroffene Fläche größer – und sie breitet sich noch aus. Blaue und violette Bereiche zeigen niedrigere Meeresspiegel als sonst üblich.

Verursacht wird das Phänomen unter anderem vom "Einschlafen" der Passatwinde, die normalerweise das Meerwasser von den südamerikanischen Küsten wegdrücken. Dadurch kann hier kaltes Tiefenwasser aufsteigen; gleichzeitig sinkt der Meeresspiegel, während er an Indonesiens Gestaden höher liegt. Ohne diese konstanten Winde schwappt das Wasser ostwärts: Die Pegel steigen vor Südamerika – hier liegen sie gegenwärtig bis zu 25 Zentimeter höher – und sinken im Westpazifik. Zurzeit sind sie hier 20 Zentimeter niedriger als sonst.

Die Warmwasserblase im Ostpazifik hat sich in den letzten Monaten kontinuierlich ausgebreitet. Noch weisen die Satellitendaten auf keine Abschwächung hin; immerhin nahm die unterkühlte Fläche im Westpazifik etwas ab. "Die Erhöhung der Meeresspiegel lief 1997 intensiver ab, erreichte jedoch im November ihren Höhepunkt. 2015 ist die betroffene Fläche dagegen größer und nimmt zu. Wir haben den Scheitelpunkt dieses Mal also wohl noch nicht erreicht", so Josh Willis von der Jason-Mission der NASA, die den El Niño überwacht.

Viele US-Amerikaner erhoffen sich von El Niño ein Ende der Dürre an der Westküste, die seit Jahren anhält. Während der letzten beiden Super-Niños 1982/83 und 1997/98 fiel doppelt so viel Regen und Schnee im Winter wie normalerweise üblich. Allerdings brachten sie auch Erdrutsche, Überschwemmungen und starke Brandung. Zudem kann El Niño langfristig nicht den Wassernotstand der Region beheben, da er eine Ausnahmesituation darstellt und im langjährigen Mittel insgesamt nur sieben Prozent des benötigten Wassers liefert. Eine Rückkehr zu normalen Verhältnissen im Pazifik erwartet die US-Wetterbehörde NOAA erst im späten Frühling oder Sommer 2016.