Die Sima de los Huesos, die "Knochenhöhle", im spanischen Atapuerca-Gebirge ist ein einzigartiger Fundort. Seit Jahren graben dort Wissenschaftler nach Überresten der ehemaligen Bewohner, einer noch sehr urtümlichen Menschenart, die von manchen als Homo heidelbergensis bezeichnet wird. Wie fügt sie sich in den Stammbaum unserer menschlichen Verwandtschaft ein? Antwort liefern nun geringe Reste von DNA, die Wissenschaftler aus den rund 400 000 Jahre alten Knochen isoliert haben. Ein Altersrekord, was solche Erbgutuntersuchungen angeht.

Das Team bestätigt mit seinen Ergebnissen eine alte Annahme: Die Sima-de-los-Huesos-Menschen zählen zu den Vorfahren der Neandertaler oder sind mit diesen zumindest sehr eng verwandt. Das gehe aus den Gen-Daten eindeutig hervor, erklären die Forscher um Matthias Meyer vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig in ihrer Veröffentlichung. Zudem lebten jene Menschen nach der Auftrennung der gemeinsamen Linie von Neandertalern und Denisova-Menschen.

Ende 2013 hatten die Leipziger Forscher die Annahme noch selbst in Zweifel gezogen. Damals isolierten sie aus den Knochen die DNA der Mitochondrien (mtDNA) und stellten fest: Laut dieser rein über die mütterliche Linie vererbten DNA wären die Bewohner der spanischen Höhle eigentlich viel enger mit den Denisova-Menschen verwandt als mit den Neandertalern. Denisovaner kennt man allerdings bislang nur aus Sibirien.

Warum es zu einer solchen spanisch-sibirischen Connection kommen sollte, war damals unklar. Für ihre neue Studie haben die Forscher daher weitere mtDNA-Proben gesammelt – und bestätigen damit zunächst die rätselhafte Verwandtschaft mit den Denisovanern. Es handelte sich also nicht um einen Messfehler. Doch halten die Wissenschaftler es für unwahrscheinlich, dass sich dahinter ein engeres Verwandtschaftsverhältnis der beiden Menschengruppen verbirgt.

Stattdessen schlagen sie folgendes Szenario vor: Die typischen mtDNA-Linien der Neandertaler wurden anhand viel jüngerer Funde rekonstruiert. Gut möglich also, dass sie erst viel später in die europäische Neandertalerpopulation gelangten und dabei die älteren vom Typ Denisova / Sima de los Huesos verdrängten. Als Quelle für diesen Genfluss kämen afrikanische Frühmenschengruppen in Frage, so Meyer und Kollegen.

Bislang haben die Wissenschaftler lediglich winzige Mengen von Erbgut gewinnen können – die Ergebnisse, die die Forscher bereits (damals noch ungeprüft) bei einer Tagung im September publik gemacht hatten, sind darum immer noch mit einem Fragezeichen behaftet. Das Erbgut von Neandertalern und Denisovanern ist wesentlich umfassender bekannt. Grund dafür sind das extrem hohe Alter der Sima-de-los-Huesos-Funde und die dortigen Umweltbedingungen. In kalten Regionen, erst recht in Gegenden mit Permafrost bleiben deutlich größere Mengen an DNA erhalten.