Es ist schon ein bemerkenswertes Phänomen: Auch im zwölften Jahr waren Veranstalter und Besucher des Herzberger Teleskoptreffens (HTT) mit gutem Wetter gesegnet. Zwei von drei "offiziellen" Nächten waren im September 2011 beobachtungstauglich. Die ideale Lage und der dunkle Himmel erfreuten die angereisten Sternfreunde, und die gute Organisation tat ihr Übriges: Welches Teleskoptreffen bietet sonst schon Vollverpflegung bis tief in die Nacht? Workshops, beispielsweise zur Justage von Newton-Teleskopen oder zum Spiegelschleifen, gehörten ebenso zum Rahmenprogramm des HTT wie nächtliche Sternführungen und ein musikalischer Frühschoppen.

Herzberger Teleskoptreffen HTT 2011
© Martin Fiedler
(Ausschnitt)
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Wie in den Jahren zuvor gastierte hier auch diesmal der 42-Zoll-Riesendobson, der nach Angaben seines Erbauers, Eberhard Hänßgen, eines der größten mobilen Amateurteleskope der Welt ist. Alles in allem ist es kein Wunder, dass sich das HTT inzwischen zu einem der größten Teleskoptreffen Deutschlands entwickelt hat. Nach Angaben der Veranstalter fanden sich vom 22. bis zum 25. September mehr als 400 Besucher in dem kleinen Örtchen Jeßnigk ein, das sich rund anderthalb Autostunden südlich von Berlin befindet – ein neuer Rekord. Wie es sich für ein gutes Teleskoptreffen gehört, waren Gerätschaften beinahe jeden Typs vorhanden, vom Selbstbauinstrument bis zum Teleskop "von der Stange". Praktisch fertig gestellt präsentierte sich auch die Elsterland-Sternwarte den HTT-Besuchern. Ihre markante Kuppel dürfte zum Wahrzeichen des HTT und der Astronomie im Elbe-Elster-Kreis werden.

Leider offenbarte sich die viel gepriesene Transparenz des Brandenburger Himmels in diesem Jahr selbst in den klaren Nächten nicht in voller Pracht. Schuld daran war die recht hohe Luftfeuchtigkeit. Zwar gab sie den Himmel zum Morgen hin immer mehr frei – dabei zog sie es jedoch vor, Teleskope und Zubehör am Boden zu benässen, was mancherorts den Beobachtungsspaß verkürzte. Als Ausgleich präsentierte sich die Luft derart ruhig, dass von einem „Seeing“ zeitweise kaum zu reden war. Diese Bedingungen ermöglichten höchste Vergrößerungen, insbesondere bei der Beobachtung von Jupiter und Uranus, und wurden mir zumindest im Flachland bislang nur sehr selten zuteil.

Keine Frage, der Nachthimmel über Jeßnigk ist wunderbar dunkel – doch wie lange noch? Da die Aufhellung des Himmels durch künstliche Lichtquellen überall zunehmend zum Thema wird, ist es das erklärte Ziel der Veranstalter um Ralf Hofner, den HTT-Himmel auch für zukünftige Generationen zu bewahren. Zu diesem Zweck fand ein "Themenabend Dark Sky" statt, zu dem Vertreter aus Politik und Verwaltung, sowie als Experte Andreas Hänel, Leiter der Fachgruppe "Dark Sky" der bundesweiten Vereinigung der Sternfreunde e.V., eingeladen waren. Das Fernziel besteht in der Errichtung eines Dark-Sky-Parks, wie es ihn bislang nur drei Mal in Europa gibt.

Es bleibt sehr zu hoffen, dass das Anliegen der HTT-Betreiber von Erfolg gekrönt sein wird – nicht zuletzt, weil das internationale Treffen an sich bereits eine wichtige Bereicherung für die Region darstellt und auch zunehmend Sternfreunde aus anderen Teilen Europas nach Jeßnigk lockt: Der Besucher mit dem längsten Anreiseweg von 1600 Kilometer kam aus Schweden. Wenn auch Sie einmal den dunklen Sternhimmel über Südbrandenburg genießen möchten, dann besuchen Sie das kommende 13. Herzberger Teleskoptreffen, das die Elsterland-Sternwarte vom 13. bis 16. September 2012 veranstaltet. Weitere Informationen mit Impressionen der vergangenen Teleskoptreffen finden Sie auf der Website des HTT (Weblink in der Box "Zum Thema").

Jan Hattenbach