Schon bei sehr kleinen Menschen kann man an ihrem interessierten Zuschauen erkennen, ob sie verstehen, was sie sehen: Man erkennt beim Baby so etwa schnell, ob es mitbekommt, ob Mama mit Papa oder aber gegen eine Wand redet; also ob Mitmenschen sozial interagieren oder einfach irgendetwas tun. Finnische Verhaltensforscher meinten nun, dass sich ganz ähnlich auch das soziale Verständnis von Hunden untersuchen lassen sollte – und erdachten einen Versuch, bei dem sie beobachteten, worauf Hunde achten, wenn sie einem Geschehen zuschauen, bei dem andere miteinander interagieren. Die Schlussfolgerung der Finnen ist eindeutig: Am Blick der Tiere ist abzulesen, dass auch Hunde soziale Interaktion erkennen, wenn diese stattfindet – und zwar auch solche zwischen Mensch und Tier.

Die Forscher hatten in ihren Experimenten je zwei Gruppen von Hunden und Menschen bei mehreren sozialen Experimenten beobachtet. Dafür hatten sie jeweils eher soziale und eher eigenbrötlerische Grüppchen zusammengestellt: etwa in Familien von Hundefreunden groß gewordene Tiere sowie scharfe Wachhunde, außerdem Hundeexperten und Menschen, die mit den Tieren wenig anfangen konnten. Es wurde beobachtet, wie lange sie bestimmte Szenen betrachteten, bei denen Menschen oder Hunden interagierten oder kein sozialer Kontext vorlag. Mensch und Hund blickten – wie in ähnlichen Versuchen auch Babys und Kleinkinder – immer etwas länger und interessierter auf soziale Interaktionen.

Das gilt auch für Handlungen zwischen Mensch und Hund – wobei diese aber zudem für alle Beteiligten auch etwas schwerer einzuordnen waren: Der Blick der Kandidaten wechselte nun häufiger von Subjekt zu Subjekt, offenbar im Versuch, die interspezifische Interaktion auch wirklich richtig einzuordnen. Das gelang allerdings dann auch den sozial weniger erfahrenen Menschen und Hunden korrekt – was artübergreifendes Sozialverhalten bedeutet, muss also offenbar nicht durch Erfahrung erlernt werden, schlussfolgern die Forscher.