Der Guineawurm, ein dank effektiver Bekämpfung nahezu besiegter Parasit, wird derzeit auf unerwartetem Weg vor der endgültigen Vernichtung bewahrt: In seinen letzten Rückzugsgebieten der westlichen Sahelzone infiziert er nun Haustiere. Während sich im gesamten letzten Jahr nur noch 25 Menschen mit dem schmerzhaften Schmarotzer infizierten, vermeldeten die Behörden im Tschad bereits 450 Infektionen bei Hunden. Weshalb der bis zu 80 Zentimeter lange Wurm neuerdings in Hunden auftaucht, ist bisher nicht bekannt. Fachleute vermuten aber, dass ein Teil der menschlichen Infektionen inzwischen vom neuen Wirt ausgeht. Die mysteriöse Epidemie gefährdet den Erfolg der Kampagne gegen den Guineawurm – denn solange der Parasit sich in Hunden versteckt hält, kann er sich auch wieder im Menschen ausbreiten.

Der Parasit ist zwar nur selten tödlich, aber er bohrt sich über Wochen schmerzhaft durch die Haut, so dass er zum Beispiel Kinder am Schulbesuch oder Bauern am Einbringen der Ernte hindert. Gegen den Wurm gibt es weder einen Impfstoff noch eine effektive medizinische Behandlung. Die Maßnahmen beschränken sich darauf, die kleinen Krebstiere aus dem Wasser zu filtern, die die Larven des Wurms übertragen, sowie durch andere Maßnahmen Ansteckung zu vermeiden. Auf diese Weise seines menschlichen Wirts beraubt, verschwand der Wurm fast völlig: Von 3,5 Millionen Infektionen im Jahr 1986 auf nur 25 im letzten Jahr. Nun rätseln Fachleute, wie es zu dem potenziell verheerenden Wirtswechsel im letzten Moment kam – vermutlich war der Selektionsdruck durch fehlende menschliche Wirte ein wesentlicher Faktor. Seuchenexperten suchen jetzt mit Hilfe von Belohnungen nach infizierten Hunden und testen, ob Medikamente gegen andere Parasiten den Guineawurm im Hund besiegen können.