Auf unserer Seite des Atlantiks ziehen nur selten Hurrikane bis vor die Gestade Europas: "Gordon" brachte 2006 in abgeschwächter Form schwere Regenfälle nach Spanien, "Vince" erreichte die Iberische Halbinsel 2005 sogar als Tropensturm, und 2016 zog "Alex" in Richtung der Azoren. Und die Wirbelsturmsaison 2017 bleibt weiterhin überdurchschnittlich aktiv. In diesen Tagen ist erneut ein Hurrikan auf dem Ostatlantik auf dem Weg nach Europa: "Ophelia" bewegt sich gegenwärtig gemächlich nach Nordosten – am Montag (16.10.) könnte sie auf die irische Küste treffen, wie "kachelmannwetter.de" prognostiziert.

Der zehnte Hurrikan dieses Jahres auf dem Atlantik hatte sich weiter nördlich als seine Vorgänger vor Westafrika gebildet, weshalb er nicht mit den Passatwinden nach Westen in Richtung Amerika zog. Stattdessen schlug er einen Kurs nach Nordosten ein, der ihn zwischen den Azoren und Madeira hindurch vor die Küste Portugals bringt. Begünstigt wird seine Bildung durch zu warmes Wasser in diesem Teil des Atlantiks: Die Temperaturen liegen mit 26 bis 27 Grad Celsius rund ein Grad Celsius über dem langjährigen Mittel. Im Zusammenhang mit ungewöhnlich kalter Luft in der Höhe war über die Kondensation letztlich ausreichend Energie vorhanden, so dass sich "Ophelia" zu einem Hurrikan entwickeln konnte. Im Laufe des Samstags (14.10.) verstärkte sich der Hurrikan zu einem Wirbelsturm der dritthöchsten Kategorie – Windgeschwindigkeiten bis 220 Kilometer pro Stunde sind im Bereich des Möglichen. Noch nie seit Beginn der modernen Wettererfassung hat ein Hurrikan im nordöstlichen Atlantik eine derartige Wucht entfaltet. Er wandert allerdings nur mit einer Geschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde Richtung Europa.

Den gegenwärtigen Vorhersagen nach knickt die Bahn des Hurrikans vor Portugal ab, die Westküste der Iberischen Halbinsel wird also verschont. Auf starke Winde und Brandung sowie wechselhaftes Wetter muss man sich dort dennoch einstellen. Heftiger dürften die Auswirkungen für Irlands Südküste sein, die momentan noch inmitten der Zugbahn läge. Da "Ophelia" auf ihrem Weg dahin jedoch über kühleres Wasser gelangt, schwächt sich das System zu einem kräftigen außertropischen Sturm ab. Windgeschwindigkeiten von bis zu 170 Kilometer pro Stunde sind allerdings im Bereich des Möglichen – in Böen bis zu 200 Kilometern pro Stunde. Nach Prognose der NOAA vom Samstag (14.10.) erreicht "Ophelia" mit Hurrikan-Windstärken die irische Südküste. Schwere Schäden sind hier sehr wahrscheinlich. Auf hoher See verursacht der Sturm zudem starken Seegang: Wellenhöhen von 15 Metern dürften regelmäßig auftreten, sogar einzelne Kaventsmänner (Monsterwellen) mit noch größerer Höhe sind nicht ausgeschlossen. An der Küste sind Wellenhöhen von mehr als zehn Metern möglich. Spanien und Portugal profitieren wahrscheinlich von dem Sturm: Er soll ergiebigen Regen im Süden der Länder bringen, die dieses Jahr von starker Trockenheit betroffen waren.

In der ursprünglichen Version hieß es, dass "Ophelia" mitverantwortlich für die warme Luft in Mitteleuropa am Sonntag sein könnte. Nach Angaben von "Kachelmannwetter.de" spricht der Strömungsfilm der Luftmassen jedoch dagegen. Wir haben den Artikel entsprechend geändert. Das Wetter soll aber in vielen Teilen Deutschlands dennoch schön werden. Die Redaktion.