Wie stark Menschen auch im Alter noch dazu bereit sind, körperliche, soziale, rechtliche oder finanzielle Risiken einzugehen, hängt offenbar auch mit den äußeren Lebensumständen zusammen. Darauf deutet nun eine Untersuchung von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin und der Universität Basel hin. Die Forscher werteten Daten des "World Values Survey" aus, in dessen Rahmen Teilnehmer auf der ganzen Welt unter anderem dazu befragt wurden, wie sehr sie zu abenteuerlustigen oder riskanten Aktivitäten neigen. Insgesamt verglichen die Forscher rund 147 000 Antworten von Menschen zwischen 15 und 99 Jahren aus 77 verschiedenen Staaten miteinander.

Dabei entdeckten sie, dass die Risikobereitschaft der Menschen in verhältnismäßig reichen und sozialen Ländern wie Deutschland oder den USA im Alter im Durchschnitt abnimmt. Frauen sind zudem grundsätzlich weniger risikofreudig als Männer. Das deckt sich auch mit den Ergebnissen aus früheren Untersuchungen. In Staaten mit großer Armut und schwierigen Lebensumständen sieht es dagegen anders aus: Hier sind viele Männer wie Frauen gleichermaßen noch bis ins hohe Alter bereit, Wagnisse einzugehen. Das betrifft der Studie zufolge etwa Staaten wie Nigeria, Mali oder Pakistan. "Ein Grund könnte sein, dass die Menschen in Ländern, in denen die Ressourcen knapp sind, stärker miteinander konkurrieren müssen", sagt Studienautor Rui Mata von der Universität Basel. Da dies sowohl Männer als auch Frauen betreffe, schrumpfe auch der Geschlechterunterschied zusammen.