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Sozialpsychologie: Imitieren wider Willen

Wir ahmen unser Gegenüber nach, selbst wenn wir es ausdrücklich vermeiden sollen.
Schere, Stein, Papier
"Schere, Stein, Papier" – dieses Spiel aus Kindertagen kann nur gewinnen, wer nicht dieselbe Handfigur wie der Gegner zeigt. Doch laut einer neuen Studie von Forschern am University College London neigen Spielpartner dazu, genau das zu tun. Der Grund: Sie imitieren unbewusst ihr Gegenüber.

Die Forschergruppe um Richard Cook bat 45 erwachsene Versuchspersonen, in mehrmals neu formierten Paaren "Schere, Stein, Papier" zu spielen. Bei je 60 Runden galt es, möglichst viele Punkte zu erzielen – als Gewinn winkte ein Geldbetrag. Während des Spiels waren entweder einem oder beiden Mitspielern die Augen verbunden.

Hatten beide Probanden eine Augenbinde auf, zeigten sie genauso oft dieselbe Handgeste, wie dies bei einem zufälligen Ziehen zu erwarten wäre. Anders jedoch, wenn nur einer der Spieler blind war: Die beiden Gegenspieler formten nun häufiger dieselbe Figur. Nach Meinung der Forscher lasse sich dies nur dadurch erklären, dass der sehende Spieler den blinden imitierte. Schon geringe Zeitunterschiede bei der Präsentation der Handgesten, die bei einzelnen Durchläufen bis zu einer halben Sekunde betragen konnten, reichten für eine Nachahmung aus.

Dass Menschen ihr Gegenüber imitieren, ohne dies zu bemerken, war schon länger bekannt. Mit ihrer Studie unterstreichen die Forscher nun, dass es sich dabei um einen unwillkürlichen Reflex handelt, der selbst in Situationen auftritt, in denen das Imitieren Nachteile hat. (se)

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