Naturnah lebende Jäger- und Sammler konsumieren weiche Drogen wahrscheinlich aus anderen Gründen als gemeinhin vermutet, meinen Anthropologen der Washington State University um Ed Hagen nach ihrer Feldforschung bei den Aka-Pygmäen in der Zentralafrikanischen Republik. Diese Jäger und Sammler – und womöglich ähnlich lebende Gemeinschaften seit jeher – rauchen vielleicht auch wegen positiver medizinischer Nebenwirkungen, so die Forscher: Das konsumierte Gift schadet den im Lebensraum der Wildbeuter häufigen Wurmparasiten mehr als den Menschen selbst. Andere Effekte des Drogenkonsums, etwa eine Rauschwirkung im Suchtzentrum oder schamanistische Zwecke, stünden hinter den gesundheitlichen Aspekten dagegen zurück.

Die Wissenschaftler konnten bei ihren Besuchen der Aka zunächst nicht umhin, einen mehr als gelegentlichen Cannabis-Konsum zu bemerken. Systematische Befragung von 379 Aka und ein Screening nach dem Cannabis-Abbauprodukt THCA in Urinproben ergaben schließlich, dass tatsächlich etwa 70 Prozent aller Männer Cannabis konsumieren. Ebendiese Gruppe von Cannabis-Konsumenten litt zudem aber auch deutlich weniger stark an Wurmparasiten, wie die Forscher nach der Analyse von Stuhlproben herausfanden. Die Würmer sind wie üblich in Wildbeutergemeinschaften weit verbreitet – rund 95 Prozent sind infiziert –, Marihuanaraucher aber deutlich schwächer befallen.

Dies bestätigt Vermutungen über die Wirkung der Droge gegen Wurmparasiten: Cannabis-Extrakte werden seit Längerem etwa als Pestizid gegen pflanzliche Nematoden eingesetzt; in Laborversuchen bestätigt sich die Giftwirkung. Hagen vermutet allerdings, dass die Aka die Droge nicht bewusst zur Selbstmedikation einsetzen: Anders als bei einem Tee aus dem Extrakt der Motunga-Pflanze, den sie nach Selbstauskunft explizit gegen Parasiten trinken, würde dem Cannabis-Rauchen keine medizinische Wirkung zugesprochen. Die Droge selbst ist in den abgelegenen Regionen Zentralafrikas seit geraumer Zeit gebräuchlich. Vermutlich gelangten Cannabis-Produkte schon im 1. Jahrhundert nach der Zeitenwende mit indischen Händlern ins Gebiet. Geraucht werden sie womöglich aber erst, seit die Aka sich den Vorgang von europäischen Kolonialisten im 17. Jahrhundert abgeschaut haben, spekuliert Hagen.