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Parasitologie: In Käfern ist der Wurm drin

Wer warum irgendwann im Evolutionsverlauf vom ehrlichen Gewerbe ins Schmarotzerhandwerk wechselt, ist gar nicht so leicht zu erklären. Ein kleiner Wurm mit Jagdrevier in toten Insekten könnte nun ein paar neue Erkenntnisse liefern.
Zwei noch lebenslustige Fadenwurm-Fähren
Fadenwürmer gibt es fast überall: Im Meer, im Strandsand, im Ackerboden – und nicht selten auch schmarotzend in Mensch und Tier. Bestimmte Arten können sich sogar in den Augen des Menschen einnisten und die in den Tropen gefürchtete Flussblindheit auslösen. Insgesamt acht Mal sind verschieden Fadenwurm-Vorfahrengruppen auf eine parasitäre Lebensweise verfallen – unabhängig voneinander.

Pristionchus pacificus gehört indes bislang nicht zu den bekannten Parasiten: Der Wurm bevölkert als Versuchstier zwar schon viele Labore, doch wo sich die Würmer seiner Gattung in der Natur tummeln, war bislang kaum bekannt. Nun haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie in Tübingen um Ralf Sommer Fadenwürmer der Gattung Pristionchus an mehr als der Hälfte von 4000 Käfern gefunden, die sie in verschiedenen Ländern Westeuropas inspiziert haben. Sieben verschiedene Pristionchus-Arten haben die Entwicklungsbiologen bei ihren Untersuchungen identifiziert.

Die Gattung Pristionchus findet sich demnach auf Mai-, Kartoffel- und Mistkäfern. Letztere waren in der Tübinger Gegend sogar zu bis zu siebzig Prozent befallen. Auf lebenden Käfer harren die Würmer dabei als unscheinbar passive Dauerlarven aus – erst wenn die Insekten sterben, fressen sie Bakterien, Pilze und andere Fadenwurmarten, die sich auf dem Kadaver ausbreiten.

Die Erkenntnisse der Max-Planck-Wissenschaftler könnten dazu beitragen, die Entstehung des Parasitismus besser zu verstehen. In künftige Arbeiten wollen sie das Zusammenleben der Käfer und Fadenwürmer genauer erforschen. Dass die amerikanische Gesundheitsbehörde, die National Institutes of Health, derzeit sein komplettes Genom entschlüsselt, wird den Forscher dabei vermutlich sehr helfen.

C. elegans und Pristionchus pacificus | Rasterelektronenmikroskopischer Vergleich von Caenorhabditis elegans (links) und Pristionchus pacificus, mit Vergrößerung der Vulva, ihres Eiablageapparates
Für die Wissenschaft ist Pristionchus pacificus aber noch aus einem anderen Grund interessant: Er ist mit Caenorhabditis elegans verwandt. Als Modellorganismus in der vergleichenden Entwicklungsbiologie kann er somit helfen, die Evolution dieser Fadenwürmer nachzuvollziehen. Bei ihren Untersuchungen profitieren die Biologen davon, dass viele Fadenwürmer der Gattung Pristionchus, so auch Pristionchus pacificus, als Zwitter leben. Daher verändert sich sein Erbgut von Generation zu Generation nur sehr wenig. So ist es leichter, genetische Veränderungen zu verfolgen.

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