Entgegen bisherigen Annahmen könnte der Mond noch in jüngster geologischer Vergangenheit vulkanisch aktiv gewesen sein. Ein Team um Sarah Braden von der Arizona State University schließt das aus einer genauen Untersuchung von 70 ungewöhnlichen Regionen auf der Mondoberfläche. Demnach zeigen die zwischen wenige hundert und einige tausend Meter messenden Flecken eine ungewöhnliche, scharfkantige Oberflächenstruktur und nur sehr wenige Krater. Nach gängigen Modellen der Kraterverteilung deutet Letzteres auf ein Alter von unter 100 Millionen Jahren. Demnach wäre der Mond weit länger geologisch aktiv gewesen als bisher vermutet.

Die jüngsten allgemein akzeptierten Belege für lunaren Vulkanismus waren bisher über eine Milliarde alt, der Hauptteil der Basalteruptionen auf dem Mond fand sogar schon vor etwa drei Milliarden Jahren statt. Die nun identifizierten Flecken haben eine Morphologie konsistent mit Basalt und könnten Hinweise darauf geben, dass sogar heute noch Vulkanismus auf dem Mond stattfindet. Das würde bedeuten, dass der Mond überraschend viel Wärme aus seiner Frühzeit gehalten oder seither neu erzeugt hat.