Seit fünf Jahren müssen Neubauten so genannte intelligente Stromzähler haben – die Geräte sollen Stromnetze zu Spitzenzeiten entlasten und zum Beispiel die Waschmaschine laufen lassen, wenn die sonstige Stromnachfrage niedrig ist. Doch die Geräte könnten das Gegenteil bewirken und sogar den Strom häufiger ausfallen lassen. Das behauptet jedenfalls eine Arbeitsgruppe um Stefan Bornholdt von der Universität Bremen. Die Physiker modellierten den dadurch veränderten Strommarkt und seine Besonderheiten. Dabei fanden sie heraus, dass die gemeinsame Wirkung der Stromzähler Blasen und Crashs produzieren kann, bei denen im Extremfall sogar das Stromnetz zusammenbricht.

Im Stromnetz der Zukunft, das hauptsächlich auf erneuerbaren Energien basieren soll, werden die verfügbaren Strommengen stark schwanken. Ursache sind vor allem die variablen Energiequellen Wind und Sonne. Intelligente Stromzähler sollen das ausgleichen, indem sie einen Teil des Bedarfs an die Stromproduktion anpassen. Das kann aber, so die Simulation der drei Forscher, gründlich in die Hose gehen. Denn wenn sehr viele Geräte zum Beispiel auf einen bestimmten Schwellenpreis warten, unterhalb dessen sie erst Strom verbrauchen, dann könnte die aufgestaute Nachfrage das Netz kollabieren lassen, sobald der Preis unter den Grenzwert sinkt. Wegen solcher Effekte vermuten Bornholdt und sein Team nun, dass der Strommarkt ähnlich unkalkulierbar werden könnte wie die Finanzmärkte.