Schimpanse
© Richard Zinken
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Weniger die Umwelt, sondern vor allem die Gene bestimmen, wie intelligent man wird – zumindest bei Schimpansen. In einer Untersuchung an insgesamt 99 Schimpansen kam William Hopkins von der University of Georgia zu dem Ergebnis, dass Unterschiede im Umfeld weniger Einfluss auf individuelle geistige Fertigkeiten haben als die Fähigkeiten der Vorfahren. Die Tiere absolvierten insgesamt 13 Tests, die verschiedene geistige Fähigkeiten prüften wie räumliche Orientierung oder Mengenverständnis. Der Verwandtschaftsgrad der Tiere korrelierte nicht nur mit den gesamten Testergebnissen, sondern auch mit den jeweiligen Ergebnissen in den einzelnen Kategorien.

Beim Menschen haben Studien ergeben, dass Intelligenz nur zu einem kleinen Teil erblich ist, während sozialen und kulturellen Faktoren erhebliche Bedeutung zukommt. Bei nichtmenschlichen Primaten ist besonders der kulturelle Einfluss deutlich reduziert. Nach Angaben der Forscher waren Zoologen bisher dennoch davon ausgegangen, dass Aufzucht und Lernen auch bei Menschenaffen die individuelle Intelligenz im Wesentlichen bestimmen. Die Ergebnisse von Hopkins und seinen Kollegen belegen nun, dass kognitive Fähigkeiten bei Schimpansen erblich sind. Zusätzlich zeigte sich, dass die Leistung in einigen Paaren von Aufgaben einen ähnlichen Trend zeigt – die Forscher vermuten, dass diese Fähigkeiten von gemeinsam vererbten Genen oder Genkomplexen beeinflusst werden. Diese Gene und ihre genauen Funktionen sollen in Zukunft im Fokus von Folgeuntersuchungen stehen – ebenso wie die genetischen Ursachen der erheblichen geistigen Unterschiede zwischen den Schimpansen und den mit ihnen eng verwandten Menschen.