Die Frage, ob Intelligenz vor allem erblich ist oder vom sozialen Umfeld beeinflusst wird, führt immer wieder zu erregten Diskussionen. Und auch eine neue Genstudie zum Thema wird die Gemüter kaum beruhigen können. Denn es gibt tatsächlich mindestens drei Genvarianten, die unseren Intelligenzquotienten positiv beeinflussen, schreiben Forscher um Cornelius Rietveld von der Cornell University in Ithaca und seine Kollegen. In einer groß angelegten Kohortenstudie mit mehr als 106 000 Personen, deren Genom zuvor erfasst worden war, suchten sie nach einer Verbindung zwischen der erreichten Schulbildung und vorhandenen Genvarianten. Dabei filterten sie 69 Varianten heraus, die in engem Zusammenhang mit dem jeweils erreichten Abschlussgrad der Probanden zu stehen schienen. Und diese wiederum glichen sie mit einem zweiten Datensatz ab, bei dem 24 000 Menschen genetisch erfasst und Kognitionstests unterzogen wurden. Am Ende blieben drei Genvarianten übrig, die sowohl mit besserer Schulbildung als auch einem höheren Intelligenzquotienten assoziiert waren.

Insgesamt war das Ergebnis dennoch ernüchternd. Denn jede einzelne Genvariante verbesserte den Intelligenzquotienten durchschnittlich um 0,3 Punkte: Eine Person, die je zwei Kopien aller drei Varianten besitzt, schneidet also um 1,8 Punkte besser ab als Menschen, die keine einzige davon aufweisen. Nicht viel, wenn man bedenkt, dass zwei Drittel aller Menschen über einen IQ zwischen 85 und 115 Punkten verfügen (und unabhängig von den damit verbundenen Diskussionen zur Ermittlung des IQ). Um überhaupt 15 Prozent der Intelligenzunterschiede zwischen den Menschen erklären zu können, müssten nochmals eine Million Personen entsprechend untersucht werden, um ausreichend viele beeinflussende Genvarianten zu finden, meint Daniel Benjamin von der Cornell University, der ebenfalls an der Studie beteiligt war.