Dank spezieller neuronaler Prozesse scheint die Wahl bei Magersüchtigen automatisch auf fettärmeres Essen zu fallen. Zu diesem Ergebnis kam die Arbeitsgruppe um Karin Foerde vom Columbia University Medical Center, Zuckerman Mind Brain Behavior Institute und der New York University in einer Untersuchung, in der sich Probandinnen zwischen verschiedenen Lebensmitteln entscheiden mussten. Dabei zeichneten die Forscher die Gehirnaktivitäten der Studienteilnehmerinnen mittels funktioneller Magnetresonanztomografie auf und stellten fest, dass bei Patientinnen mit einer Anorexie vor allem ein Areal aktiv war, das eigentlich für Lernprozesse und automatische Bewegungsabläufe verantwortlich ist und auch eine wichtige Rolle bei gewohnheitsmäßigem Verhalten spielt.

Eigentlich sorgt das so genannte dorsale Striatum unter anderem dafür, dass wir ein Bein vor das andere setzen können oder die Augen schließen, wenn eine Fliege auf unsere Pupille zusteuert. Magersüchtige scheinen ihre Entscheidungen bei der Essenswahl also mit der Zeit sozusagen ein Stück weit automatisch zu treffen, interpretieren die Forscher ihr Ergebnis. Dieser Befund könnte erklären, warum es oftmals so schwer ist, der Erkrankung entgegenzuwirken: Einem Verhalten mit einer solchen Eigendynamik lässt sich nicht leicht Einhalt gebieten oder es gar verändern.

Im Experiment ließ die Arbeitsgruppe mehrere Patientinnen und eine gesunde weibliche Kontrollgruppe zunächst Lebensmittel danach bewerten, wie gesund und schmackhaft diese sind. Daraufhin mussten sich die Probandinnen stets zwischen zwei der Gerichte entscheiden. Damit die Teilnehmerinnen das Ganze auch ernst nahmen, erfuhren sie vorab, dass sie im Anschluss an die Aufgabe eines der erwählten Lebensmittel zum Verzehr erhalten würden. Dabei entschieden sich die Anorektikerinnen selten für sehr fetthaltige Produkte. Die Kontrollgruppe hingegen verhielt sich weniger gesundheitsbewusst. Als die Probandinnen am nächsten Tag zu einem Buffet eingeladen wurden, wählten die Magersüchtigen auch hier seltener die sündige Kost als die Teilnehmerinnen der Vergleichsgruppe.

Bereits in der Vergangenheit konnten Studien zeigen, dass die Areale im Gehirn der Betroffenen beispielsweise Bilder von Essen anders verarbeiten, als die Gesunder es tun. Im Großen und Ganzen geht die Krankheit mit einem verringerten Hirnvolumen einher.