Im Jahr 2015 soll laut Schätzungen jeder dritte Erdenbürger übergewichtig sein – Experten sprechen bereits von einer Adipositas-Pandemie, zumal sich Folgeerkrankungen wie Diabetes und Herzkrankheiten weltweit mehren. Einen Grund dafür vermuten Forscher häufig in unserem Lebenswandel, der nicht unserem genetisch vorprogrammierten entspreche: Der typische Bewohner eines Industriestaats sei einfach zu träge und verbrenne dadurch zu wenige Kalorien.

Aber diese Erklärung taugt wohl nicht, meinen nun Herman Pontzer vom Hunter College in New York und Kollegen, die nun erstmals nachgemessen haben, wie viele Kalorien die Angehörige eines Jäger-und-Sammler-Volks tatsächlich aufwenden. Dabei wandten sie sich an die Hadza in Tansania, die einer recht ursprünglichen Lebensweise nachgehen und sich daher als Modell für unsere altsteinzeitlichen Vorfahren eignen könnten.

Überraschenderweise verbrauchten die Hadza genauso viel Energie pro Tag wie Europäer und Nordamerikaner – und dass obwohl sie nachweislich körperlich aktiver waren. Es scheine daher, vermuten Pontzer und Kollegen, als sei der menschliche Energieaufwand in gewissen Grenzen eine genetisch determinierte Konstante und weniger das Ergebnis unseres Lebenswandels.

Den täglichen Gesamtenergieaufwand ermittelten die Wissenschaftler, indem sie ihren 30 Versuchspersonen Wasser zu trinken gaben, das aus den gesundheitlich unbedenklichen Isotopen 2H (Deuterium) und 18O (Sauerstoff-18) bestand. Anschließend kontrollierten sie, wie viel davon wieder in Form von Urin ausgeschieden wurde – fehlendes 18O gibt dann Aufschluss über die Menge an Kohlendioxid, die der Betreffende ausgeatmet hat, und damit indirekt über seinen Energieverbrauch.

Gesundheitsratschläge für den Einzelnen solle man aus ihren Erkenntnissen allerdings nicht herleiten, schränken die Autoren ein: Ihre Studie beschränkt sich darauf, die Effekte von Lebenswandel und Energieverbrauch auf der Ebene ganzer Bevölkerungsgruppen zu beurteilen. Es sei durchaus der Fall, dass mehr körperliche Betätigung beim Abnehmen helfen könne.