Waren Frauen in der Jungsteinzeit Kraftprotze, geprägt von harter körperlicher Arbeit? Oder haben sie vor allem Haus und Hof gehütet? Das Wissen darum ist nicht verloren gegangen, sondern könnte in prähistorischen Gebeinen überdauert haben. Darauf deutet zumindest die Studie eines Teams um Alison A. Macintosh von der University of Cambridge hin, in der die Wissenschaftler mehrere tausend Jahre alte Frauenknochen aus Europa mit den Knochen lebender Athletinnen verglichen haben.

Wie die Forscher erläutern, sind Knochen keine starren Gebilde, sondern flexible Gewebe, die auf andauernde Belastungen mit bleibenden Formänderungen reagieren. So zeigen frühere Studien, dass die Schienbeine bei Männern mit Einsetzen der Landwirtschaft immer dünner wurden.

Nun nahmen sich die Anthropologen um Macintosh über 300 Arm- und Beinknochen aus prähistorischen Zeiten vor. Sie verglichen diese mit CT-Bildern der Arm- und Beinknochen von zirka 80 heutigen Fußballerinnen, Ruderinnen, Läuferinnen sowie Studentinnen, die den Großteil des Tages sitzen und als Kontrollgruppe dienten. Die sportlichen Probandinnen waren meist Anfang 20 und trainierten zweimal am Tag, die Ruderinnen legten durchschnittlich 120 Kilometer pro Woche zurück.

Der Studie zufolge hatten die Landwirtinnen aus der Jungsteinzeit um bis zu 10 bis 20 Prozent kräftigere Oberarme als sportlich aktive Ruderinnen und sogar um 30 Prozent stärkere als die der eher unsportlichen Kontrollgruppe. Eine Erklärung für die starken Arme der Bäuerinnen könnte das mehrstündige und mühsame Mahlen von Hand von Getreide zu Mehl sein, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Science Advances". Das ständige Bewegen der Reibsteine könnte sich auf die Armknochen auf ähnliche Weise ausgewirkt haben wie das angestrengte Hin- und Herbewegen beim Rudern.