Bis zu sechs Millionen verwilderte Hauskatzen sollen in Australien leben, die Tiere haben praktisch den gesamten Kontinent erobert. Daher gelten sie zusammen mit ihren als Haustier gehaltenen Artgenossen als einer der größten Risikofaktoren für die einheimische Fauna. Brett Murphy von der Charles Darwin University in Casuarina und sein Team haben in einer Studie dokumentiert, wo und wie viele Vögel den eingeschleppten Raubtieren zum Opfer fallen. Allein mehr als 370 Millionen Vögel jährlich sterben demnach durch Katzen, so die Kalkulation der Wissenschaftler, die auf Bestandszahlen der Vierbeiner, räumlicher Verteilung und Jagddaten beruht. Täglich sterben also mehr als eine Million Vögel zwischen den Zähnen und Pfoten der Katzen. Dafür werteten Murphy und Co unter anderem 100 Studien aus, die sich detailliert mit dem Magen- und Kotinhalt der Katzen befassten, um ein klareres Bild des Nahrungsspektrums zu erhalten.

Die Karte zeigt, wie viele Vögel pro Quadratkilometer und Jahr von verwilderten Katzen getötet werden
© mit frdl. Gen. von Brett Murphy, Charles Darwin University
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Die Karte zeigt, wie viele Vögel pro Quadratkilometer und Jahr von verwilderten Katzen getötet werden. Besonders betroffen ist der trockene Outback im Zentrum und Westaustralien.

Am höchsten fallen die Verluste in den wüstenhaften Regionen des Kontinents und auf Inseln aus. Dort leben viele bodenbrütende Arten, die sich nicht an derartige Fressfeinde angepasst haben – Katzen siedeln schließlich erst seit wenigen hundert Jahren in Australien. Einheimische Arten machen 99 Prozent der gefiederten Beute aus; der Rest entfällt auf eingeschleppte Vogelspezies, die aus ihrer ursprünglichen Heimat Erfahrungen mit den Raubtieren mitgebracht haben. Weniger stark betroffen sind hingegen Tiere in Regenwäldern und Feuchtgebieten, in denen die betroffenen Arten eine bessere Deckung vorfinden oder sich auf das offene Wasser zurückziehen können, wie eine zweite Studie der Forscher zeigt.

Bedenklich finden die Wissenschaftler zudem, dass sich regelmäßig 71 der 117 bedrohten Vogelarten Australiens unter den Opfern befinden, wobei Spezies mittlerer Größe (mit einem Gewicht zwischen 60 bis 300 Gramm) besonders stark betroffen sind. Insgesamt schätzen Murphy und seine Kollegen, dass jährlich mindestens drei bis vier Prozent des gesamten australischen Vogelbestands durch Katzen sterben – was die Vierbeiner zum bedeutendsten Faktor der durch Menschen bedingten Verluste macht. Neben den ebenfalls eingeschleppten Füchsen gelten Katzen als größtes Risiko für das Aussterben bestimmter Arten; außer Vögeln sind davon auch viele Beuteltiere betroffen. Erhöht ist die Gefahr vor allem in Gebieten, in denen weitere Faktoren wie schlechtes Feuermanagement oder zu große Viehdichte hinzukommen. Hier finden die Tiere optimale Jagdbedingungen vor.

Um die einheimische Fauna zu schützen, plant die australische Regierung ein umfangreiches Bekämpfungsprogramm. In den nächsten Jahren sollen mindestens zwei Millionen Katzen gekeult werden. Das stößt vor allem international durchaus auf Kritik.