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Teenager

Kein Bock auf Achtsamkeit?

Präventive Achtsamkeitsprogramme scheinen ihre Wirkung bei Jugendlichen zu verfehlen.
Jugendliche meditiert auf Wiese

Ob in Antistressratgebern, in Gesundheitskursen oder in der Psychotherapie: Achtsamkeitsmeditation erscheint heute als Wundermittel gegen viele psychische Beschwerden, darunter Burnout, Angststörungen und Depressionen. Mittlerweile hat Achtsamkeit auch weltweit Einzug in Schulen gehalten – in Form von Übungen im Unterricht oder ganzen Trainingsprogrammen. Im Hier und Jetzt zu leben, soll aufgewühlte Teenagerseelen beruhigen und größeren Turbulenzen vorbeugen. Doch während die Wirksamkeit der Methode bei Erwachsenen gut belegt ist, fußt ihr Einsatz bei Jugendlichen auf einer dünnen wissenschaftlichen Grundlage, wie eine australische Studie zeigt.

Die Forscherinnen um Catherine Johnson von der Flinders University in Adelaide untersuchten die Effektivität eines Programms, das in England und Australien bereits zum Einsatz kommt. Die Teilnehmer lernten darin in neun wöchentlichen Sitzungen von jeweils maximal einer Stunde eine Reihe von Achtsamkeitsübungen, darunter Atembeobachtungen, Anleitungen zum bewussten Erleben des Alltags oder zur Wahrnehmung des eigenen Körpers. Mit Hilfe von aufgezeichneten Anleitungen sollten sie auch zu Hause täglich trainieren. Um die Motivation zu erhöhen, wurde den Probanden unter anderem gesagt, dass sie nun genau im richtigen Alter seien, um mittels Achtsamkeit ihr Gehirn gegen psychischen Stress zu "impfen".

Rund 550 Schülerinnen und Schüler, im Durchschnitt knapp 13,5 Jahre alt, wurden in drei Gruppen aufgeteilt. Ein Drittel erhielt die reguläre Schulung. Bei einem weiteren Drittel waren zusätzlich die Eltern eingebunden: Sie besuchten eine Informationsveranstaltung und konnten anschließend per E-Mail wöchentlich nachverfolgen, welche Übungen ihre Kinder gerade lernten. Das letzte Drittel der Teilnehmer diente als Kontrollgruppe und besuchte währenddessen nur den regulären Unterricht.

In keiner der Gruppen fanden Johnson und ihr Team irgendwelche Effekte auf die Depressivität der Teilnehmer, ihre Ängstlichkeit, Sorgen in Bezug auf ihr Äußeres oder das allgemeine Wohlbefinden. Bereits ein Jahr zuvor hatte dieselbe Forschungsgruppe in einer ähnlichen Studie keine Wirkung des Programms auf Jugendliche feststellen können. Frühere Überprüfungen des Trainings – wie auch ähnlicher Interventionen – hatten gemischte Resultate ergeben. Insgesamt sei noch nicht ausreichend untersucht, welche Art von Achtsamkeitstraining ab welchem Alter sinnvoll sei, schlussfolgern die Wissenschaftlerinnen. Es könne aber sein, dass pubertierende Jugendliche für das Konzept generell schwer zu begeistern seien.

2/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 2/2018

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