Wieder einmal geht die Meldung um die Welt, ein Computerprogramm habe den Turing-Test bestanden – den vom Informatiker Alan Turing entwickelten Versuchsaufbau, der künstliche Intelligenz identifizieren soll. Aber das Einzige, was das Ergebnis zeigt, ist, dass der Turing-Test dringend in die Abstellkammer der Computergeschichte gehört. Was man damit genau testet, ist unklar – aber ganz sicher nicht die Intelligenz eines Computers.

Das liegt schon daran, dass der Veranstalter, die University of Reading, gar nicht den ursprünglich von Turing vorgeschlagenen Test verwendet, sondern eine vereinfachte Version. So musste das Gewinnerprogramm namens Eugene Goostman keineswegs im direkten Duell mit einem Menschen die Jury überzeugen, wie ursprünglich von Turing vorgesehen. Eine halbwegs normale Konversation zu führen, reichte völlig aus. Zusätzlich gab sich das Programm als 13-jähriger Junge aus – was den Rahmen, in dem eine Konversation noch als halbwegs normal gilt, zweifellos deutlich erweitert. Und selbst mit diesen Erleichterungen gelang es dem Programm lediglich, ein Drittel der Jury zu überzeugen. Das ist nicht gut. Das ist sogar schlechter als diverse frühere Versuche.

Das eigentliche Problem ist allerdings, dass der Test zum Schummeln einlädt. Seit Jahrzehnten ist es gute Tradition, dem Test nicht etwa möglichst intelligente Programme vorzusetzen, sondern einfach gestrickte Chat-Roboter, die mit verschiedenen Tricks daraufhin optimiert sind, menschliche Gesprächspartner zu täuschen. Mit Intelligenz hat das alles nichts zu tun.

Doch selbst wenn man diese Probleme abstellen würde – das Grundübel des gesamten Konzeptes bleibt erhalten: Die Fixierung auf menschliche Intelligenz und menschliche Sprache. Zu Turings Zeiten mag das – schlicht aus Mangel an alternativen Konzepten über Intelligenz – noch gerechtfertigt gewesen sein. Heutzutage ist es ein Anachronismus, der die Forschung an echter künstlicher Intelligenz mehr behindert als unterstützt.