Das "Kindchenschema" mit großen Kulleraugen, rundem Kopf und hoher Stirn ist bei Frauen entscheidender für Fürsorgeinstinkte als bei Männern. Das hat die Verhaltensbiologin Melanie Glocker von der Universität Münster herausgefunden: Sie veränderte die Fotos von 17 Babygesichtern und schuf damit eine Abstufung von hohen bis niedrigen Kindchenschemawerten.

44 Testpersonen bekamen diese Aufnahmen zu sehen und sollten äußern, ob das Bild bei ihnen Impulse weckt, sich um das Kind kümmern. "Frauen sind eher bereit, sich um die 'süßeren' Kinder stärker zu kümmern als um die 'durchschnittlichen'. Bei Männern ändert sich das Verhalten nicht", berichtet Glocker. Die Ethologin hatte ihre Untersuchungen in den USA zuerst mit 62 Studenten gestartet. In diesem ersten Durchgang ging es zunächst darum, Niedlichkeit zu bewerten. Sowohl weibliche als auch männliche Versuchspersonen fanden die Gesichter mit hohen Kindchenschemawerten niedlicher als die Gesichter mit durchschnittlichen und niedrigen Werten. In einer weiteren Testreihe hatte die Forscherin dann die Fürsorge abgefragt.

Auf das vom Verhaltensforscher Konrad Lorenz beschriebene Kindchenschema – rundes Gesicht, große Augen, hohe Stirn, kleine Nase, kleiner Mund – reagieren Menschen über alle Kulturen und Altersklassen hinweg. Der Schlüsselreiz lässt Kinder, die stärker dem Muster entsprechen, niedlicher erscheinen.