Ein kleines Gehirn kann auch Vorteile mit sich bringen – zumindest, wenn man ein Fisch ist: Wie Wissenschaftler um Alexander Kotrschal von der Universität Stockholm berichten, haben Guppys (Poecilia reticulata) mit einem kleineren Hirn offenbar ein aggressiveres Immunsystem als Artgenossen, deren Denkzentrale etwas besser bestückt ist.

Die Wissenschaftler transplantierten Fischen mit einem etwas kleineren Gehirn eine Schuppe von Artgenossen mit einem etwas größeren Gehirn und umgekehrt. Anschließend beobachteten sie, wie heftig die typische Abstoßungsreaktion ausfiel, in deren Rahmen das Immunsystem die neue Schuppe als Fremdkörper erkennt. Dabei entdeckten sie, dass die Körperabwehr bei jenen Tieren schwächer reagierte, die ein größeres Hirn hatten. In weiteren Versuchen konnten die Forscher eingrenzen, dass dieses Phänomen vor allem die angeborene Immunantwort betraf. Im Hinblick auf die erworbene Immunantwort zeigten Männchen allerdings eine etwas stärkere Reaktion als Weibchen.

Kotrschal und seine Kollegen vermuten, dass die Guppys mit dem größeren Gehirn deshalb über ein schwächeres Immunsystem verfügen, weil ihr Hirn entsprechend mehr Energie in Anspruch nimmt. Das geht zu Lasten der Krankheitsabwehr. Im nächsten Schritt wollen die Forscher untersuchen, welche Gene Hirngröße und Immunantwort gleichermaßen beeinflussen.