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Planetensystem

Kometenbaustoff stammt aus Sonnennähe

Stardust beim Kometen Wild 2
Eine jüngst analysierte Probe, die die NASA-Sonde Stardust vor vier Jahren vom Kometen Wild 2 zur Erde brachte, stützt den Verdacht, dass Bestandteile des Schweifsterns aus der Nähe der Sonne stammen. Zudem verrät das untersuchte Körnchen recht genau, wann es erzeugt wurde und wie lange es dauerte, in die Außenbezirke des Planetensystems zu gelangen.

Stardust beim Kometen Wild 2
Stardust beim Kometen Wild 2 | Die Sonde Stardust flog Anfang 2004 durch die Gas- und Staubwolke um den Kometen Wild 2. Dabei exponierte sie gelgefüllte Sammelgefäße, in denen sich Probenpartikel fingen. Aminosäuren aus dem Kometen fanden die Forscher an den Aluminiumumrandungen der Sammelflächen.
Ein Team um Jennifer Matzel vom Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien stieß in den Fundstücken des Kometen auf ein refraktäres, das heißt besonders widerstandsfähiges Körnchen. Es hat eine polykristalline Zusammensetzung, die derjenigen bestimmter Meteoriten ähnelt, den so genannten kohligen Chondriten, die vor dem Sturz auf die Erde als Asteroiden im Innenbereich des Sonnensystems unterwegs sind.

Das Alter des von den Forschern Coki genannten, fünf Mikrometer großen Partikels ließ sich durch die Häufigkeitsbestimmung von Magnesium-26 datieren, das aus dem radioaktiven Zerfall von Aluminium-26 stammt. Da Letzteres in der Probe nicht nachweisbar ist, muss Coki mehr als 1,7 Millionen Jahre nach der Bildung der ältesten bekannten Festkörper des Sonnensystems, den so genannten Kalzium-Aluminium-reichen Einschlüssen (abgekürzt CAI von Ca-Al-rich Inclusions), kristallisiert sein.

Interplanetarer Staub
Interplanetarer Staub | Das Aussehen von interplanetaren Staubteilchen, die in den oberen Schichten der Erdatmosphäre eingesammelt werden, erinnert häufig an winzige Schwämme.
Das innere Sonnensystem war zu dieser Zeit noch ein Schmelztiegel: Vieles von dem Material, aus dem unser Zentralgestirn seine Masse bezieht, ist noch als große Wolke vorhanden. Erst in der Folgezeit sammelte sich der Baustoff für Planeten und Asteroiden in einer flachen Scheibe. Währenddessen muss Coki jedoch weit nach draußen transportiert worden sein – in eine Entfernung, die mindestens 30-mal größer ist als die von der Erde zur Sonne.

Den genauen Transportmechanismus müssen die Astronomen noch ermitteln. Sicher ist nur: Diese Reise hat etliche Millionen Jahre gedauert, und auch die Vereinigung von Staubkörnchen des interstellaren Mediums zu dem Kometen, den wir als 81P/Wild 2 kennen, nahm eine ähnliche Zeit in Anspruch. Coki ist somit ein "Fossil" aus der Vorzeit des Planetensystems und hilft den Astronomen, die damaligen Verhältnisse genauer zu rekonstruieren. (dre)
8. KW 2010

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 8. KW 2010

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  • Quellen
Matzel, J. E. P. et al.: Constraints on the Formation Age of Cometary Material from the NASA Stardust Mission. In: Science 10.1126/science.1184741, 2010.

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