Die Kleine spielt mit ihrem Essen, was ihre Mutter erzürnt. Energisch schüttelt sie mit dem Kopf, um ihren Unmut kundzutun und das Kind von seinem Treiben abzuhalten. Diese Szene spielte sich jedoch nicht an einem deutschen oder amerikanischen Mittagstisch ab, sondern in einer Bonobogruppe im Leipziger Zoo – gefilmt und studiert von Primatenforschern um Christel Schneider vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie.

Mutter und Kind
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Bonobos gehören zu den sozial mit am höchsten entwickelten Primaten und verwenden ein breites Spektrum an Gesten, um zu kommunizieren.
Luiza, der Nachwuchs von Bonoboweibchen Ulindi, hatte sich mit einem Stück Lauch spielerisch beschäftigt und keine Anstalten gemacht, ihn zu verzehren. Nachdem sie mehrfach nicht auf Versuche der Mutter reagiert hatte, die dieses Verhalten stoppen wollte, schüttelte Ulindi mehrfach den Kopf, bevor sie schließlich ihrer Tochter den Lauch entzog und wegwarf. Erstmals sei damit das Kopfschütteln in Zusammenhang mit einer negativen Verhaltensweise der Tiere aufgetreten, so Schneider. Entsprechende Kopfbewegungen wurden bislang nur mit anderen Beweggründen beobachtet – etwa Aufforderungen zum Spiel. Insgesamt setzten vier Leipziger Bonobos die Reaktion bei 13 unterschiedlichen Gelegenheiten ein.

Die sozial hoch entwickelten Menschenaffen aus dem Kongo besitzen ein sehr ausgefeiltes Kommunikationssystem, zu dem zahlreiche Gesten gehören, wobei das eine das andere bedingt haben könnte, vermuten die Primatologen. Man könne zwar bislang nur vermuten, dass Ulindis Kopfschütteln tatsächlich "Nein" bedeute, äußert sich Schneider vorsichtig, doch bleibe das die beste Erklärung. Sollte sich dies aber bestätigen und beispielsweise auch bei Schimpansen beobachtet werden, ließen sich womöglich evolutionäre Rückschlüsse auch für menschliche Gesten mit dem Kopf ziehen, so die Wissenschaftler. (dl)