Tübinger Forscher haben eine Koranhandschrift aus ihren Beständen neu datiert und dabei eine Aufsehen erregende Entdeckung gemacht: Das Manuskript stammt aus der Frühzeit des Islams. Es soll zwischen 649 und 675 n. Chr. entstanden sein, teilt die Universität mit. Damit wurde es nur wenige Jahrzehnte nach dem Tod des Religionsstifters Mohammed (632 in Medina) verfasst.

Bislang seien derart alte Koranhandschriften nur sehr selten mit naturwissenschaftlichen Methoden untersucht und datiert worden, heißt es in der Mitteilung. Die Studien wurden im Rahmen des deutsch-französischen Projekts Coranica durchgeführt. Die Wissenschaftler kombinieren dabei paläografische Methoden der Schriftenanalyse mit der naturwissenschaftlichen Altersbestimmung. Bei der Radiokohlenstoffdatierung des Pergaments an der ETH Zürich stellte sich das unerwartet hohe Alter heraus; bisher hatte man das Dokument für Jahrhunderte jünger gehalten.

Ziel der Forschung ist es, die Textgeschichte des Korans mit Hilfe von erhaltenen Aufzeichnungen nachzuvollziehen. Das als Ma VI 165 geführte und digitalisierte Fragment ist Teil einer umfangreicheren Sammlung alter Koranhandschriften. Es gelangte im Jahr 1864 in die Tübinger Universitätsbibliothek und stammt aus dem Privatbesitz des preußischen Konsuls Johann Gottfried Wetzstein.