Garik Israelian
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 Bild vergrößernDer Organisator des STARMUS-Festivals: Garik Israelian
Sterne und Weltraum: Herr Israelian, das STARMUS-Festival war Ihre Idee. Wofür steht der Name STARMUS?

Garik Israelian: STARMUS steht für Sterne und Musik. Beides bringen wir während des Festivals zusammen. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht: Mit dem englischen stars meinen wir sowohl die Sterne am Himmel als auch die Stars auf dem Podium und auf der Bühne: weltbekannte Wissenschaftler, berühmte Astronauten und natürlich auch Stars aus der Musikszene.

SuW: Was ist das verbindende Element zwischen diesen doch recht unterschiedlichen Personengruppen?

Israelian: Zum einen wollen wir verschiedene Zugänge schaffen, um Leute mit der Astronomie und den Weltraumwissenschaften in Berührung zu bringen. Über die Musik erreichen wir auch Leute, die ansonsten nur schwer für populärwissenschaftliche Veranstaltungen zu interessieren wären.

SuW: Und zum anderen?

Israelian: Zum anderen ist die Verbindung durchaus wörtlich zu nehmen: Wir stellen Musikern die kosmischen Klänge von Sternen für ihre Kompositionen zur Verfügung. Manche Sterne schwingen wie eine Glocke. Diese relativ schnellen internen Schwingungen können wir mit hochgenauen spektroskopischen Messungen aufzeichnen. Die gleiche Methode erlaubt es uns auch, die langsameren Veränderungen in der Radialgeschwindigkeit zu registrieren, wenn die Sterne von Planeten umkreist werden und sie dadurch rhythmisch aus ihrer Ruhelage gezerrt werden.

SuW: Solche "Töne" werden auf dem Fes­tival zu hören sein?

Israelian: Ja, erstmals werden die originalen kosmischen Klänge von Himmelskörpern in der Öffentlichkeit zu hören sein. Wir freuen uns, dass wir die Band Tangerine Dream dafür gewinnen konnten, denn die Formation um Edgar Froese gehört zu den Pionieren der elektronischen Musik.

SuW: Auch Brian May, der Leadgitarrist der Rockband Queen, ist für das Festival angekündigt…

Israelian: Brian May ist einer unserer Referenten aus der Wissenschaft. Was viele nicht wissen: Brian hatte für seine Musikerkarriere eine Doktorarbeit in Astronomie unterbrochen. Im Jahr 2006 kehrte er an das Imperial College in London zurück und wurde ein Jahr später promoviert. Heute ist er Rektor der Liverpool John Moores University. Auf dem STARMUS-Fes­tival wird er über den Nutzen der Weltraumwissenschaften vortragen.

SuW: Also keine Musik von Brian May?

Israelian (lacht): Oh, zum jetzigen Zeitpunkt kann ich nichts dazu sagen. Achten Sie mal auf die »Breaking News« auf unserer Website! Vielleicht bringt Brian ja seine Gitarre mit…

SuW: Was erwartet die Teilnehmer des STARMUS-Festivals noch?

Israelian: Zum Beispiel jede Menge inter­essanter Vorträge von hochkarätigen Wissenschaftlern und weltbekannten Astronauten und Kosmonauten. Wann haben Sie schon die Gelegenheit, Apollo-Astronauten zu treffen, sich von jemandem, der auf einem anderen Himmelskörper spazieren ging, seine Erlebnisse erzählen zu lassen? Oder sich von führenden Forschern der Welt die jüngsten Erfolge und die aktuellen Streitfragen der Weltraumwissenschaften näher bringen zu lassen?

SuW: Das klingt nach Fachkonferenz…

Israelian: Überhaupt nicht! Alle Vorträge sind für ein allgemeines Publikum gedacht; deshalb übersetzen wir auch simultan in mehrere Sprachen. Die Referenten sind erstklassig – nicht nur von ihrem Fachwissen her, sondern auch von ihrer Fähigkeit, ihr Wissen einer breiten Öffentlichkeit mitzuteilen.

SuW: Die Teilnehmer brauchen also kein spezielles Vorwissen?

Israelian: Nein. Natürlich freuen wir uns, wenn auch Wissenschaftler zum STARMUS-Festival kommen. Aber wir haben vor allem Amateurastronomen im Blick – ganz allgemein Leute, die sich für die Geschehnisse im Kosmos interessieren, für die Stellung des Menschen im Universum, dafür, wie in einem größeren Maßstab alles mit allem zusammenhängt. Die Beschäftigung mit dem Weltraum ist so faszinierend: Man erweitert seinen Horizont, lernt sich selbst besser einzuordnen, schärft seinen Verstand. Ich glaube, unsere Welt hier unten würde ein gutes Stück besser, wenn sich mehr Menschen mit dem Weltraum beschäftigen würden. Deshalb auch unser Motto: Entdecke den Kosmos und verändere die Welt!

SuW: Manche werden fragen: Warum muss ich zum Kosmos entdecken nach Teneriffa fliegen?

Israelian: Teneriffa ist ein Paradies sowohl für Astronomen als auch für Urlauber. Zwei der leistungsfähigsten Observatorien der Welt befinden sich dort. Während des Festivals können Sie sie besichtigen. Das Gran Telescopio Canarias auf La Palma ist mit einem Spiegeldurchmesser von 10,4 Metern das größte Teleskop seiner Art; in seiner Kuppel findet während des Festivals eine interdisziplinäre, hochkarätig besetzte Gesprächsrunde statt, die per Internet in alle Welt übertragen wird. Und auf einer Star Party im Teide-Nationalpark können Sie den unvergleichlichen Nachthimmel über Teneriffa genießen. Das Festival findet um die Zeit der Frühlings-Tagundnachtgleiche statt – eine ideale Voraussetzung, um am Abendhimmel das Zodiakallicht zu beobachten. Dieses Naturphänomen lässt sich von Mitteleuropa wegen der hohen Lichtverschmutzung gar nicht mehr wahrnehmen…

SuW: Wie kann man sich für das Festival anmelden?

Israelian: Wir haben auf unserer Website www.starmus.com unter "Anmeldung" ein Registrierungsformular. Dort können Sie wählen, ob Sie nur am Festival teilnehmen oder eines unserer Hotelpakete buchen möchten. Ganz nach Ihren individuellen Bedürfnissen können Sie sich unter verschiedenen Angeboten das passende aussuchen. Wir haben auch an Familien und Paare gedacht, wenn zum Beispiel nur ein Partner am Festival teilnehmen möchte und der andere lieber den Strand oder die herrliche Landschaft auf Teneriffa genießen möchte. Der Flug ist in diesen Paketen allerdings nicht inbegriffen – den müssten Sie bei ihrer bevorzugten Fluglinie buchen.

SuW: Herr Israelian, wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg für das Festival.

Das Interview führte Uwe Reichert