Was passiert im Gehirn, wenn wir kreativ werden und zum Beispiel ein Musikstück auf dem Keyboard improvisieren? Diese Frage beschäftigt Neurowissenschaftler schon seit geraumer Zeit. Wie in der Vergangenheit bereits einige Studien demonstrieren konnten, scheint vor allem der so genannte dorsolaterale präfrontale Kortex (DLPFC), der unter anderem an Planung und Verhaltenskontrolle beteiligt ist, eine wichtige Rolle im Hinblick auf die Neurobiologie der Kreativität zu spielen. Befinden Künstler sich gerade mitten im Schaffensprozess und lassen ihren Einfällen freien Lauf, nimmt die Aktivität in dieser Hirnregion oft ab – frei nach dem Motto: Impulskontrolle aus, Ideen marsch. Ganz so simpel ist es dann aber doch nicht, wie nun auch eine Untersuchung von Wissenschaftlern der Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore zeigt. Sie weist darauf hin, dass auch Gefühle einen Einfluss darauf haben, welche Hirnregionen sich während des kreativen Schaffensprozesses regen.

In seinem Versuch stellte das Team um Malinda McPherson mehreren Jazzmusikern ebenjene eingangs erwähnte Aufgabe: Es ließ sie ein Musikstück auf einem speziellen Keyboard improvisieren. Die Probanden befanden sich dabei die ganze Zeit über im Magnetresonanztomografen, so dass die Wissenschaftler ihre Hirnaktivität beobachten konnten. Das spontan erfundene Lied sollte zudem entweder zu einem Bild mit einer glücklich oder eher traurig dreinblickenden Frau passen, welches die Forscher ihren Teilnehmern zu Beginn des Versuchs präsentierten. Im Ergebnis konnten McPherson und ihre Kollegen feststellen, dass die Aktivität des DLPFC bei den Probanden stärker zurückging, wenn sie spontan ein Lied zu dem positiven Bildnis aus dem Ärmel schüttelten. Komponierten sie ein Musikstück, das zu den Emotionen der betrübten Frau passte, regte sich dagegen das Belohnungssystem vermehrt, und die Kommunikation mit dem DLPFC wurde sogar noch verstärkt. McPherson sieht das als Zeichen dafür, dass bei der Entstehung von fröhlicher oder trauriger Musik offenbar verschiedene neuronale Mechanismen involviert sind. Das passt auch zu der Vermutung, dass positive und negative Gemütszustände zu unterschiedlichen Denkstilen verleiten.