Meeresströmungen
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Die Sommerwinde an den Westküsten der Nord- und Südamerikas sowie Südafrikas haben sich in den letzten 60 Jahren deutlich verstärkt. Und das bedeutet, dass sich wahrscheinlich auch der ozeanische Auftrieb entlang des Humboldt-, Kalifornien- und Benguelastroms intensiviert hat: Die Meeresgebiete gehören zu den produktivsten Fischereiregionen der Erde, weil hier kaltes und damit nähr- und sauerstoffreiches Wasser aus der Tiefe in höhere Lagen gelangt, wo es zusammen mit dem Sonnenlicht die Planktonproduktion ankurbelt. Als wahrscheinliche Ursache gilt den Geowissenschaftlern um William Sydeman vom Farallon Institute for Advanced Ecosystem Research im kalifornischen Petaluma die Erderwärmung im gleichen Zeitraum. Dadurch habe sich das Druck- und Temperaturgefälle zwischen Land und Meer vergrößert, was sich zumindest im Sommer regional in stärkeren Land-See-Winden niederschlage. Das belegten auch mehrere Datensätze, die die Windgeschwindigkeiten in den fünf untersuchten Teilräumen seit den 1940er Jahren aufgezeichnet haben. Entlang der iberischen Westküste und im Bereich des Kanarenstroms beobachteten die Forscher dieses Phänomen allerdings nicht.

Der verstärkte Auftrieb könne durchaus positive Folgen haben, so Sydeman, da er die Produktivität ankurbelt und damit auch den Fischfang oder andere Meeresorganismen begünstigt. Auf der anderen Seite könnte dadurch aber auch die Versauerung des Meers beschleunigt werden, weil mehr Kohlendioxid ins Wasser verfrachtet wird. Andere Wissenschaftler widersprechen der These von Sydeman und Co ohnehin: Der Datensatz sei viel zu klein und umfasse einen zu kurzen Zeitraum, als dass nicht auch natürliche Ursachen für die Veränderungen ausgeschlossen werden könnten. Die Strömungs- und Windverhältnisse schwanken in den Ozeanen beispielsweise über die Jahrzehnte, so dass die verstärkten Winde und Aufstiegsbewegungen nicht mit der Erderwärmung zusammenhängen.