Zu den allerersten Lebensformen, deren fossile Überreste man heute noch findet, zählen die Stromatolithen: Durch Bakterienkolonien hervorgebrachte Gesteinsstrukturen, die einen charakteristischen schichtartigen Aufbau zeigen. Heutzutage sind diese Lebensformen in stark salzhaltige Seen oder andere extreme Nischen verdrängt. Denn die Biofilme, aus denen sie bestehen, haben unter den meisten heutigen Umweltbedingungen keine Chance gegen Fressfeinde.

In Tasmanien haben Wissenschaftler nun jedoch Stromatolithen entdeckt, die in einer weit weniger extremen Umwelt überleben. Wie das Team um Bernadette Prömse von der University of Tasmania in Hobart schreibt, gedeihen diese Kolonien in kühlen Süßwassertümpeln, die nur schwach alkalisch sind. Von ihrer Entdeckung im Naturschutzgebiet Tasmanische Wildnis, einem UNESCO-Welterbe, berichten sie im Fachmagazin "Scientific Reports". Die lebenden Fossilien tauchten in einer Landschaft auf, die von kalkhaltigen Karstquellen dominiert wird.

Stromatolithen bestehen aus diversen Bakterienarten, die eine Lebensgemeinschaft bilden, darunter vor allem Zyanobakterien. Gemeinsam erzeugen sie einen dünnen Biofilm, auf dem sich durch den Stoffwechsel der Bakterien kalkhaltiges Sediment anlagert. Dieses wiederum zwingt die Mikroorganismen, in die Höhe zu wachsen – ein Prozess, der sich fortwährend wiederholt und die typische Schichtung zur Folge hat.

Die flachen Tümpel des tasmanischen Nationalparks sind zwar kein extremer Lebensraum, doch auch hier schützen die Umweltbedingungen die Stromatolithen gegen Fressfeinde, beobachteten die Forscher. Im kalkhaltigen Wasser leben kaum Wirbellose; vor allem Schnecken leiden darunter, dass sich an ihrer Schale Kalkablagerungen bilden.

Die ältesten fossilen Stromatolithen, die man heute noch auf der Erde findet, sind über dreieinhalb Milliarden Jahre alt. In ihnen dokumentiert sich der Beginn des Lebens auf diesem Planeten, insbesondere lässt sich an ihnen die Anreicherung der Atmosphäre mit dem heutzutage lebensnotwendigen Sauerstoff ablesen.