Rot warnt vor viel Fett, Salz oder Zucker, Gelb ist noch in Ordnung, bei Grün darf man beruhigt zugreifen – so simpel ist das Prinzip der Lebensmittelampel, die Verbrauchern auf einen Blick verraten soll, wie gesund oder ungesund ein Nahrungsmittel ist. Ob die Ampelkennzeichnung aber wirklich besser funktioniert als herkömmliche Nährwertkennzeichnungen in Gramm oder Prozent, ist unter Forschern bislang umstritten. Einen Beleg für ihren Nutzen legen nun zumindest Bern Weber und seine Kollegen vom Center for Economics and Neurosciences an der Universität Bonn vor. Im Rahmen ihrer Studie, welche die Wissenschaftler im Fachmagazin "Obesity" veröffentlichten, konnte sie zeigen: Die Lebensmittelampel stärkt tatsächlich die Selbstkontrolle und erleichtert es uns, ungesunder Kost zu widerstehen.

Weber und sein Team zeigten 35 Probanden im Hirnscanner die Nährstoffangaben von 100 verschiedenen Produkten von Schokolade über Jogurt bis hin zu Fertiggerichten – und zwar entweder in Form von Ampelkennzeichnungen oder als Gramm- und Prozentangaben. Anschließend sollten die Versuchsteilnehmer beurteilen, wie viel Geld sie für das jeweilige Nahrungsmittel ausgeben würden. Stand die Lebensmittelampel dabei auf Grün, boten die Teilnehmer deutlich mehr Geld für das gleiche Produkt, als wenn die Inhaltsstoffe in Prozent oder Gramm angegeben waren. Mit einem Blick auf die Hirnscans offenbarte sich, dass im Gehirn der Probanden in diesem Fall verstärkt der zinguläre Kortex aktiv wurde, der über den ventromedialen präfrontalen Kortex und das Belohnungssystem die Kaufbereitschaft ankurbelte. Bei einer roten Kennzeichnung zeigte sich der umgekehrte Effekt, die Kaufbereitschaft sank deutlich stärker ab als bei den konventionellen Angaben, und der dorsolaterale präfrontale Korte, der unter anderem für unsere Selbstkontrolle verantwortlich ist, übernahm das Kommando.

Die Wissenschaftler glauben daher, dass die Ampelkennzeichnung Verbraucher insgesamt dazu bewegen könnte, gesündere Produkte einzukaufen. Der Farbekode wirke dabei offenbar als eine Art Verstärker, der die Gesundheitsrelevanz der Inhaltsstoffe deutlicher betone als reine Nährstoffauflistungen, so Laura Enax, Erstautorin der Studie.