Genetiker werden immer besser darin, die Lebenszeit zu verlängern – im Labor, und vor allem bei den dort gerne als Modellwesen erforschten Fadenwürmern. Hier gelang ihnen in den letzten Jahrzehnten mit Genmanipulationen, die üblichen 30 Tage Lebenserwartung von Caenorhabditis elegans fast zu verdoppeln. Aber auch, den Durchschnittstod von Säugetieren wie der Maus drastisch nach hinten zu schieben – was, wie nun amerikanische Forscher einwerfen, eine ganz andere Überlegung dringend notwendig macht: Werden die Lebewesen dabei nur älter, oder bleiben sie bis zu ihrem maximal herausgezögerten Ende auch bei guter Gesundheit?

Tatsächlich eher nicht, wie Untersuchungen schon nahegelegt hatten: Zwar verlängert sich bei langlebigen Wurmmutanten oft auch die Jugendphase, in der die Tiere bei bester Gesundheit sind und Attacken von Krankheitskeimen routiniert abwehren; gleichzeitig aber wird auch die Phase seniler Gebrechlichkeit noch ausgedehnter, in der sie unbeweglich einem späten Tod entgegendämmern. Die Lebensdauer sollte also spätestens dann nicht mehr unabhängig von der "Gesundheitsdauer" eines Lebewesens betrachtet werden, wenn man daran denkt, die Beobachtungen an Würmern und Mäusen etwa auf Menschen zu übertragen, meinen deswegen die Forscher um Robert Sonowal von der Emory University in ihrer aktuellen Studie in "PNAS".

In ihren Versuchen hatten sie explizit nicht nur auf die Lebensdauer, sondern auch auf verschiedene Gesundheitsparameter von alternden, gezielt mutierten Fadenwürmern geachtet. Als guter Messwert bietet sich dabei das Genaktivitätsmuster heraus: Es unterscheidet sich deutlich zwischen jungen, aktiven, gesunden Tieren und äußerlich unbeschädigten, aber inaktiven Seniorenwürmern. Nun gingen die Forscher daran zu untersuchen, wie sich bei den langlebigen Würmern auch die Phase bis zur Senilität hinauszögern lässt. Ein Schlüssel scheint die Ernährung zu sein – und einige überraschend simple Inhaltsstoffe, die das Mikrobiom im Verdauungstrakt der Würmer liefert.

So blieben Würmer etwa umso länger jugendlich, je mehr verschiedene Indol-Molekülvarianten sie zu sich nahmen. Indole finden sich etwa im Grundgerüst der Aminosäure Tryptophan, sie kurbeln aber auch verschiedene Hormonregelkreisläufe an, die zum Beispiel der Infektionsabwehr dienen und als Antistressreaktion gedeutet werden. In Würmern lösen Indole diese Effekte offenbar über bestimmt Aryl-Rezeptoren aus – deren höhere Aktivität dann die Genaktivität verändert, was unter anderem dafür sorgt, dass die Würmer eine längere Zeitspanne ihres Lebens fruchtbar bleiben.

Ergebnisse wie dieses könnten, mit aller Vorsicht bei der Interpretation, vielleicht auf Mäuse oder sogar Menschen übertragen werden, glauben nun Sonowal und seine Kollegen – unter anderem deshalb, weil auch bei höheren Organismen ganz ähnliche Rezeptoren auf die gleichen Indolvarianten reagieren, die im Säugetierverdauungstrakt von Bakterien produziert werden. Offenbar greifen die unterschiedlichen Organismen auf einen gemeinsamen, evolutionär uralten Mechanismus zurück. Dieser könnte auch bei einem Menschen Einfluss auf die Gesundheit haben – und dies sogar unabhängig davon, ob er eine lange oder kürzere Lebenserwartung hat.