An der Frage, ob Kinder mit und ohne Behinderung so lange wie möglich gemeinsam zur Schule gehen sollten, scheiden sich nach wie vor die Geister. Eine Studie von Laura Justice von der Ohio State University und ihren Kollegen zeigt nun, dass zumindest im Hinblick auf die Sprachentwicklung Schüler mit Beeinträchtigungen tatsächlich von diesem Ansatz profitieren können. Sie werden von Klassenkameraden mit guten Sprachkenntnissen mitgezogen und verbessern sich ebenfalls schneller.

Die Forscher begleiteten insgesamt 670 Kinder, die ein Jahr lang die Vorschule besuchten. Über die Hälfte von ihnen litt unter Beeinträchtigungen wie Autismus, dem Down-Syndrom oder Sprachstörungen. Justice und ihr Team testeten die Sprachfähigkeiten der Versuchsteilnehmer zweimal, einmal am Anfang und einmal am Ende des Schuljahres. Dabei stellten sie fest, dass Vorschüler, die begabte Klassenkameraden hatten, sich im Lauf der Zeit ganz allgemein stärker verbesserten als solche mit schwächeren Mitschülern. Besonders stark zeigte sich dieser Trend bei den Kindern mit Beeinträchtigungen. Sie wurden zudem auch besonders stark nach unten gezogen, wenn die anderen Schüler ebenfalls nur über schwache sprachliche Fähigkeiten verfügten. "Wenn die Mitschüler tatsächlich einen so großen Einfluss auf den Lernerfolg haben, wie unsere Studie andeutet, dann müssen wir uns gut überlegen, wie wir Klassenverbände zusammensetzten, damit alle Kinder die maximalen Möglichkeiten haben, voneinander zu lernen", sagt Justice. Das bedeutet ihrer Meinung nach vor allem, dass Kinder mit Beeinträchtigungen nicht vom normalen Unterricht ausgeschlossen werden dürfen.