Etwa ein Drittel aller Deutschen liest wenig oder gar nicht zum eigenen Vergnügen, sondern nur, wenn es absolut sein muss. Dabei wäre der regelmäßige Griff zum Buch oder E-Book eine einfache Möglichkeit, die persönliche Zufriedenheit zu steigern, wie eine neue Studie von Josie Billington von der University of Liverpool andeutet: Unter mehr als 4000 befragten britischen Erwachsenen fühlten jene sich deutlich wohler, die mindestens 20 Minuten pro Woche aus eigenem Interesse lasen. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Leser zufriedener mit ihrem Leben waren, lag um ein Fünftel höher als bei den Nichtlesern. Dabei konzentrierten sich Billington und ihre Kollegen ausschließlich auf Menschen, die das Lesen erlernt hatten und es eigentlich auch noch konnten, aber aus verschiedenen Gründen nicht mehr zu gedrucktem oder digitalem Lesestoff griffen: Etwa 40 Prozent der Befragten gaben beispielsweise starken Zeitmangel als Ausschlusskriterium an. Funktionelle Analphabeten oder Menschen, die wegen körperlicher oder geistiger Beeinträchtigungen nicht lesen konnten, wurden dagegen nicht untersucht.

Nichtleser gaben demnach mit einer 28 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit an, dass sie bisweilen depressiver Stimmung sind – wobei unklar ist, ob sie nicht genau wegen dieser Depression nicht mehr lesen. Umgekehrt berichtete ein Fünftel der regelmäßigen Buchstabenkonsumenten davon, dass ihnen das Lesen dabei half, sich weniger einsam zu fühlen. Allerdings hatten Billington und Co bereits zuvor Studien durchgeführt, die sich auf Menschen mit Depressionen konzentrierten: Lesen verringerte laut diesen Untersuchungen tatsächlich nachhaltig und deutlich die Symptome einer Depression – etwa Gefühle von Einsamkeit und Isolation. Zudem erinnerte sie diese Tätigkeit an Aktivitäten, die sie zuvor gerne ausgeübt hatten, was sich ebenfalls positiv auswirkte. Die neue Studie zeigte auch, dass sich Menschen durch das Bücherlesen erholter fühlen, als wenn sie sich nur passiv vom Fernsehen berieseln lassen – der Effekt stellte sich sogar verglichen mit der Zeitschriftenlektüre ein, die weniger befriedigend ist. Und knapp die Hälfte aller Leser gab an, nach dem Lesen nachts besser zu schlafen. Und das könnte schließlich dazu beitragen, dass die Menschen genügend Nachtruhe bekommen.