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News: Licht in der Dunkelheit

Eine neue Messmethode erlaubt es Astronomen, dunkle interstellare Molekülwolken aus Gas und Staub präziser zu untersuchen als bisher und damit zukünftig auch besser zu verstehen, wie sich Sterne bilden.
Mit dem New Technology Telescope der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile gelang es Wissenschaftlern, die Masseverteilung in einer interstellaren Dunkelwolke mit hoher Genauigkeit zu analysieren. Da der Staub innerhalb dieser Wolken das sichtbare Licht blockiert und das Objekt so lediglich als strukturloser schwarzer Fleck vor dem Himmelshintergrund erscheint, ist eine solche Messung nur indirekt möglich: Die Forscher nutzten Licht von nahe liegenden Sternen, das sich an den Staubpartikeln der Wolke streut und als Infrarotstrahlung wieder abgegeben wird. Die Stärke der Streuung ist abhängig von der vorhandenen Masse im jeweiligen Gebiet. Durch dieses „Aufleuchten“ (englisch. „cloudshine“) ist es den Forschern möglich, eine Art Karte von der Masseverteilung im Innern der Wolke zu erstellen. Da Infrarotlicht weniger von den Staubteilchen absorbiert wird als sichtbares Licht, kann es tiefer in die Wolke eindringen, so dass die neue Technik ein wesentlich detaillierteres Abbild von der internen Struktur liefert. Zudem ist die Messmethode unabhängig von der Dichte der Wolke.

Bisher konnten Astronomen lediglich Dunkelwolken vermessen, durch die noch Hintergrundsterne sichtbar waren. Wenn deren Licht die Wolken durchquert, wird es gestreut und teilweise absorbiert, so dass es röter erscheint, als es eigentlich ist. Je mehr Partikel das Sternenlicht passieren muss, desto stärker ist der Effekt. Aus der Rötung lassen sich somit Rückschlüsse auf die Materieverteilung innerhalb der Wolke ziehen. Die Genauigkeit dieser Messmethode ist allerdings von der Anzahl und der Verteilung der sichtbaren Hintergrundsterne abhängig und lässt sich nicht immer einsetzen.

Interstellare Molekülwolken sind zukünftige Sternentstehungsgebiete. Die Ansammlungen von Gas und Staub verdichten sich zunehmend und irgendwann wird das nukleare Feuer der ersten Sonne darin zünden. Mit der Erforschung von Dunkelwolken erhalten die Wissenschaftler also gleichzeitig einen Einblick in die frühe Entwicklungsphase von kosmischen Geburtsstuben. „Dank des neuen Verfahrens, können wir nun genauer untersuchen, wo und wann Sterne innerhalb solcher Wolken entstehen, sagte Mika Juvela, Forschungsleiter von der Universität Helsinki. Geplante Infrarot-Instrumente wie das Visible and Infrared Survey Telescope for Astronomy VISTA der ESO werden die erfolgreich getestete Technik nutzen.

Die analysierte zigarrenförmige Dunkelwolke liegt rund 500 Lichtjahre entfernt in Richtung des Sternbilds Südliche Krone. Sie besitzt eine Masse von etwa 7000 Sonnenmassen. Das New Technology Telescope steht im südlichen Teil der chilenischen Atacama-Wüste auf dem Berg La Silla in einer Höhe von rund 2400 Metern und wurde 1989 in Betrieb genommen.

MS

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