Sie rasen hin und her und vollführen wahnwitzige Flugmanöver: Starenschwärme, die wild umherfliegen, bevor sie ihren abendlichen Schlafplatz ansteuern. Manchmal wollen sie damit Fressfeinde wie Wanderfalken verwirren, doch oft genug geschehen die Richtungswechsel ohne ersichtlichen Anlass. Daniel Pearce von der University of Warwick und sein Team denken nun, dass sie eine mögliche Erklärung für das Phänomen gefunden haben. Die Vögel versuchen eine optimale Dichte im Schwarm zu erhalten und gleichzeitig möglichst viele Informationen aus der Umgebung aufzunehmen. Und das gelingt ihnen am besten, wenn sie Licht innerhalb ihrer Gruppe aus möglichst vielen Blickwinkeln sehen können – ein optimaler Zustand, den die Forscher als marginale Lichtundurchlässigkeit bezeichnen. Im Schwarm entsteht ein dynamisches Muster aus Licht und Schatten, je nachdem wie die Individuen darin fliegen, ihre Positionen und Flugwinkel ändern, was jedes Mal die Lichtmenge verändert, die die Gruppe durchdringt.

Deshalb entwickelten die Physiker ein Computermodell, in dem einzelne Elemente sich in einem Schwarm bewegen und dabei unter anderem zwei grundlegende Faktoren beachten mussten: Folge deinen nächsten Nachbarn und bewege dich dorthin, wo die meisten Informationen verfügbar sind. Sobald die Forscher dieses Programm mit sehr vielen Teilchen laufen ließen, erhielten sie Manöver wie in einem echten Vogelschwarm. Dieses Modell wandten sie dann im Umkehrschluss wieder auf die Natur an: Die Schwärme bilden dabei sich selbst organisierende Einheiten, in der jeder Vogel selbst mitten in der Masse genügend Licht vom Himmel wahrnimmt, um navigieren zu können. Die Orientierung an den nächsten Nachbarn allein könne hingegen die Koordination in der Gruppe nicht erklären, so Pearce – ein Schauspiel an sich bleibt es aber ohnehin.