Künstliche Lichtemissionen greifen massiv in die Natur unseres Hell-Dunkel-Wechsels ein. Grund genug, auch den Gesetzgeber auf den Plan zu rufen: Die Schadwirkung auf die Umwelt durch Licht ist explizit erfasst im "Gesetz zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Luftverunreinigungen, Geräusche, Erschütterungen und ähnliche Vorgänge", dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Noch existiert allerdings europaweit nur in Slowenien ein Gesetz gegen die Lichtverschmutzung

Wer sind die Schadstoff-Emittenten?

Lichtverschmutzung ist, mehr noch als die Emission chemischer Schadstoffe und Verbrennungsrückstände, ein hausgemachtes Problem hochentwickelter Länder: Arme Regionen können es sich nicht leisten, per elektrischem Strom die Nacht zum Tage zu machen. An der Spitze der Umweltsünder finden sich engbesiedelte Industriestaaten wie die Benelux-Länder: Sie emittieren den "Umweltschmutz Licht" mittels ihrer von Abend- bis Morgendämmerung taghell beleuchteten Autobahnen.

Fast flächendeckend im Norden und fleckenweise im Süden der Erde strahlen mit Straßenlaternen allerlei Fassadenstrahler, Diskobeamer und Werbebeleuchtungen um die Wette: Ein Blick aus dem Weltall auf die völlig unbesonnte Nachtseite der Erde läßt dennoch fast alle Landflächen und Küstenlinien zwischen Grönland und Antarktika lückenlos erkennen.

Vom Boden aus trägt die Luft- zur Lichtverschmutzung bei: Die Strahlung aus schlecht abgeschirmten, in alle Richtungen blendenden Lampen und Lichtanlagen bricht sich an Dunst und Schwebstoffen der Atmosphäre und produziert dabei gerade über Städten und Ballungsräumen diffuse Lichtglocken. Große Mengen der Emission wären allein durch die Verwendung besser abgeschirmter und zeitlich begrenzt eingesetzter Lampen zu verhindern.

Wie schadet Licht?

Besonders Biologen betonen, dass nächtliches Kunstlicht ganz direkt tötet. Zu den Opfern zählen dabei, Schätzungen zufolge, in jeder Sommernacht 150 Insekten an jeder Straßenlaterne, bei geschätzten 6,8 Millionen Lampen also eine Milliarde toter Kerfe allein in Deutschland. Massiv betroffen sind aber auch jedes Jahr Scharen von nachts wandernden Zugvögel, die durch Skybeamer von Discos und Lichtglocken großer Städte vom Weg abkommen.

Die dauernde Lichtimmission wirkt sich aber auch auf alle Lebewesen negativ aus, die auf den Lichtwechsel als Zeitgeber und Orientierungshilfe angewiesen sind. Dies betrifft weniger Menschen – zwar stören helle Nächte nachweislich auch unseren Schlaf und unsereren Hormonhaushalt, wir können den daraus folgenden gesundheitlichen Schäden aber zumindest im Prinzip durch dichte Vorhänge vorbeugen. Nachgewiesen ist aber, dass Populationen von Vögeln wie etwa der Uferschnepfe durch ständiges nächtliches Kunstlicht ausgedünnt werden. Auswirkungen auf andere Organismen sind schlechter untersucht, aber sehr wahrscheinlich.

Größter Gegner vermeidbarer nächtlicher Lichtemissionen sind naturgemäß die Astronomen. Verbände von Sternfreunden weisen darauf hin, dass in einer sternklaren Nacht in immer mehr Regionen immer weniger Sterne mit bloßem Auge zu erkennen sind. Seit einigen Jahren wird dies auch statistisch dokumentiert und belegt. Im Juni dieses Jahres startete eine weitere Erhebung auch in Deutschland, die als Testlauf einer globalen Kampagne dient. In ihr sollen zum Internationalen Jahr der Astronomie 2009 Anti-Lichtverschmutzungsinitiativen aus aller Welt koordiniert werden und Daten sammeln.

Kann Lichtverschmutzung gefahrlos reduziert werden?

Dass Licht nachts Sicherheit schafft, ist wissenschaftlich kaum zu belegen. Die Zahl der Unfalltoten auf den dauerbeleuchteten Autobahnen im wallonischen Teil Belgiens sind beispielsweise nicht geringer als in vergleichbaren europäischen Streckenabschnitten. Auch ist durch Studien nicht sicher nachweisbar, dass die Zahl von Gewaltverbrechen im öffentlichen Raum durch Straßenbeleuchtung zurückgeht.