Wenn Babys anfangen, stärker zu sabbern als zuvor, und wenn die Nacht zum Tag wird, weil die lieben Kleinen quengeln und weinen – dann brechen wahrscheinlich die ersten Zähnchen durch: Sie drücken auf die Schleimhaut, was dem Nachwuchs Schmerzen bereitet. Nach Meinung vieler Eltern soll das Zahnen auch häufig mit Infekten und Fieber einhergehen. Doch stimmt das?

Carla Massignan von der Universität Santa Catarina in Brasilien und ihr Team zweifeln zumindest den Zusammenhang mit der stark erhöhten Körpertemperatur an. Die Wissenschaftler hatten in einer Metaanalyse die Daten von zehn großen Studien zum Thema Zahnen ausgewertet und für Fiebern keine Belege gefunden. Der Durchbruch der ersten Zähne – meist die Schneidezähne – geht (wie erwartet) mit Zahnfleischreizungen, kleineren Blutungen und verstärktem Speichelfluss einher. Außerdem erhöhte sich die durchschnittliche Körpertemperatur leicht. Insgesamt blieben die Werte aber deutlich unter der Schwelle, ab der Ärzte von Fieber sprechen.

Besonders starke Symptome zeigten die Kinder bei den Vorderzähnen, während die Backenzähne weniger Probleme verursachten. Unklar ist allerdings, ob das Zahnwachstum das Immunsystem so schwächt, dass die Kinder anfälliger für Infekte werden – die wiederum Fieber auslösen könnten. Messen die Eltern der betroffenen Kinder also eine stark erhöhte Temperatur, sollten sie das nicht auf den Zahndurchbruch schieben, sondern nach anderen Ursachen fahnden oder einen Arzt konsultieren, so Massignan und Co.