Um die ambitionierten Ziele in der Reduktion von CO2-Emissionen zu erreichen, schlagen britische Forscher eine radikale Lösung vor: einen Autobann für das gesamte Stadtgebiet Groß-Londons. Kurze Strecken sollten demnach verstärkt zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden – das hätte nicht nur einen positiven Effekt für das Klima, sondern auch für die Gesundheit die Städter. Statt in große Straßenbauprojekte zu investieren, sollte daher die Infrastruktur für Fußgänger und Radfahrer gefördert werden, fordern James Woodcock von der London School of Hygiene and Tropical Medicine [1].

Die Verwaltungsbehörde von Groß-London soll die Kohlendioxid-Emissionen im Stadtgebiet bis 2025 um sechzig Prozent reduzieren. Woodcock und seine Kollegen kommen jedoch zu dem Schluss, dass mit bisherigen Maßnahmen nur eine Abnahme von 10 bis 23 Prozent bis zum Jahr 2030 erreicht wird. In einer Simulation berechneten sie daher den Effekt eines autofreien Groß-Londons, gekoppelt an ein gutes Nahverkehrsnetz basierend auf erneuerbaren Energien sowie bei kurzen Strecken die aktive Fortbewegung der Menschen zu Fuß oder mit dem Rad. Da fast sechzig Prozent des täglichen Verkehrs maximal acht Kilometer umfassen, sehen die Wissenschaftler vor allem für das Fahrrad große Chancen.

Im Ergebnis würde der Umstieg die Kohlendioxid-Emissionen um 72 Prozent bis 2030 senken. Allein eine autofreie Innenstadt könnte den CO2-Ausstoß um die Hälfte reduzieren, da der meiste Verkehr jedoch im äußeren Stadtgebiet stattfindet, würde dies für die gesetzten Ziele nicht ausreichen.

Weniger Autoverkehr bedeute nicht nur bessere Luft, sondern auch weniger Unfälle, und mehr Radfahrer und Fußgänger auf den Straßen lockten zum Nachahmen. Eine frühere Studie hatte gezeigt, dass mit steigenden Zahlen an Fußgängern und Radfahrern die Unfallgefahr pro zurückgelegtem Kilometer sinke [2]. Es sei auch eine gute Methode, einem weiteren städtischen Problem zu begegnen: Im landesweiten Gesundheitserhebung von 2003 hatten nur ein Viertel der Frauen und ein Drittel der Männer in London das empfohlene Minimum an körperlicher Aktivität erreicht.

London hatte als Maßnahme gegen das innerstädtische Verkehrschaos eine "Congestion Charge" von etwa zwölf Euro pro Tag eingeführt. Seitdem ist der Autoverkehr im betroffenen Stadtgebiet um etwa ein Viertel zurückgegangen. Ab Februar 2008 soll die Abgasbelastung weiter durch eine Umweltzone gesenkt werden, in der Fahrbeschränkungen für bestimmte Fahrzeugtypen mit hohen Emissionswerten gelten sollen. Normale PKW, Motorräder und kleine Transporter sind davon jedoch nicht betroffen. (af)