Von wegen innere Werte: Immer wieder stoßen Psychologen bei ihren Studien auf einen Zusammenhang zwischen der Attraktivität von Frauen und wünschenswertem männlichem Verhalten. Wie sehr die Schuhwahl der Damenwelt das andere Geschlecht beeinflusst, wurde bislang jedoch nur unzureichend behandelt. Das jedenfalls konstatierte der Verhaltensforscher Nicolas Guéguen von der Université de Vannes und setzte daher mehrere Frauen mit unterschiedlicher Schuhausrüstung auf Männer wie Frauen an, um deren Hilfsbereitschaft zu testen. In einem ersten Versuch sollte eine Neunzehnjährige Männer zur Teilnahme an einer Umfrage zur Geschlechtergerechtigkeit motivieren und trug dabei Schuhe ohne beziehungsweise mit Absätzen, die fünf beziehungsweise neun Zentimeter hoch waren. Resultat: Je höher der Stöckelschuh an der Ferse abgesetzt war, desto bereitwilliger ließen sich die Herren zum Interview bitten – der Anteil unter den 50 angesprochenen Männern stieg dabei von weniger als 50 (flach) auf mehr als 80 Prozent (hoch).

Im zweiten Test baten vier Frauen mit unterschiedlicher Schuhwahl jeweils 45 Männer und Frauen um ein Interview zu lokalen Essgewohnheiten. Und auch hier bestätigte sich das eingangs erwähnte Resultat: Je höher der Absatz, desto mehr Männer folgten dem Aufruf. Bei den Frauen zeigte sich hingegen kein Unterschied: Immer nur jeweils ein Drittel ließ sich anschließend befragen. Im dritten Versuch ließ die Frau während eines Stadtbummels "versehentlich" einen Handschuh fallen, um die Hilfsbereitschaft zu testen – und wiederum halfen mehr Männer der Frau mit Highheels (93 Prozent der beobachteten Männer) als der flachbesohlten Person (63 Prozent der beobachteten Männer). Schließlich schickte Guéguen noch seine Testfrau allein in drei Kneipen, um die Reaktion von Männern auf ihre Schuhe zu testen. Sie sollte dabei immer die gleiche Kleidung, aber eben unterschiedlich hoch bestöckelte Schuhe tragen. Hatte sie sich für Highheels entschieden, dauerte es nicht einmal acht Minuten, bis sie angesprochen wurde – bei einfachen Slippern hingegen fast doppelt so lange – ein klares Anzeichen, dass die Schuhe eine gewisse Anziehungskraft ausübten. Guéguen interpretiert dies natürlich als sexuelles Signal, dass die Frauen mit den Schuhen aussenden – wahrscheinlich weil Stöckelschuhe diese größer machen und ihre Gangart ändern. Erschwerend komme hinzu, dass Highheels in den Medien und der Werbung häufig mit erhöhter Erotik und sexuellem Interesse gleichgesetzt werden. Zumindest einige Männer würden dadurch verleitet, dies auch auf das reale Leben zu übertragen, obwohl der Zusammenhang dann nicht zutrifft. Das sei aber alles noch spekulativ, meint Guéguen, der weitere Studien zum Thema plant.