Zwergmangusten (Helogale parvula) fühlen sich allein verloren und bilden zutiefst gesellige Grüppchen: Sie durchstreifen, von einem Weibchen geführt, als Gemeinschaft von knapp 10 bis rund 30 Tieren auf der Suche nach Nahrung abgesteckte Reviere in den Savannenlandschaften Südostafrikas. Das Zusammenleben gestaltete sich dabei recht idyllisch: Gruppenmitglieder helfen sich gegenseitig bei der Fellpflege und übernehmen wechselseitige Aufgaben. So steht ein Tier stets Wache – um im Notfall die anderen, mit Sammeln und Suchen beschäftigten Tiere durch Warnrufe zu alarmieren. Schwer wird es für die ohnehin sensible Zwergmanguste, wenn sie von der Gemeinschaft isoliert wird – kommt dies vor, so schlägt sich das Tier möglichst rasch zu einer anderen Mangustensippe durch, um dort um Asyl zu bitten. Forscher um Andrew Radford of the University of Bristol hat nun interessiert, was dann geschieht: Wie integriert die auf Harmonie bedachte Mangusten-Gemeinschaft einen hungrigen Zuwanderer?

Im Wesentlichen durchaus gut, berichtet das Team nun in "Current Biology" – allerdings dauert es ein wenig, bis neuen Gruppenmitgliedern verantwortungsvolle Aufgaben zugetraut werden. Überprüft haben die Wissenschaftler das seit 2011 anhand von Feldbeobachtungen von neun Zwergmangusten-Gruppen in Südafrika, die sich im Lauf der Jahre an die zuschauenden Forscher gewöhnt hatten. Das machte es zum Beispiel einfacher, die insgesamt 165 Tiere mit Haarblondierungsmitteln individuell zu markieren und ihre Entwicklung durch regelmäßiges Wiegen zu dokumentieren. Wie erwartet veränderte sich gelegentlich die Zusammensetzung der Gruppen: Die Forscher zählten insgesamt 22 Emigranten und 28 Immigranten in den verschiedenen Sippen im Testareal.

Die Wechsel erfolgen dabei kaum freiwillig: Wenn Zwergmangusten ihrer eigenen Gruppe verloren gehen, magern sie meist deutlich ab und sind deutlich gestresst, bevor sie sich bei einer neuen Gemeinschaft um Aufnahme bewerben. In der neuen Gruppe angekommen, erholen die Tiere sich dann allmählich – ohne zunächst aber ein gänzlich akzeptiertes Gemeindemitglied zu sein, wie die Wissenschaftler bemerkten. Denn zum Beispiel übernahmen die Tiere erst nach rund einem Monat regelmäßig den Job des für Alarmrufe zuständigen Wächters bei der Nahrungssuche. Überdies vertrauten die alteingesessenen Zwergmangusten dem Neuankömmling auch dann offenbar zunächst noch nicht so recht: Auf Warnrufe von neu eingebürgerten Tieren reagierten sammelnde Tiere deutlich verzögert oder gar nicht. All das ändert sich allerdings nach und nach – im Lauf von etwa fünf Monaten sind die Immigranten meist vollständig integriert, schieben Wachdienstschichten wie alle und werden beim Alarmschlagen ernst genommen.

Insgesamt, so Mangustenforscher Radford, "haben Immigranten die Chance, nach und nach zu einem wertvollen Mitglied der Gesellschaft zu werden". Am Ende sei die höhere Kopfzahl der Gruppe dann ein Vorteil für jeden. Vorher aber bräuchten alle Beteiligten etwas Zeit für den Integrationsprozess: Die Zugezogenen erholen sich dabei vom Stress des Sozialgruppenwechsels, und die Alteingesessenen gewöhnen sich an das neue Mitglied und fassen Vertrauen in seine Fähigkeiten.