MKS beim Rind
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Die Erinnerungen an die Epidemie vor sechs Jahren sind noch frisch, umso tiefer sitzt daher der nationale Schock in England nach Bekanntwerden eines weiteren Ausbruches der Maul- und Klauenseuche (MKS) am vergangenen Freitag. Das Virus vom Typ 01 BFS67 stammt vermutlich aus einem tiermedizinischen Labor der US-Firma Merial Animal Health in der Ortschaft Pirbright, die an Impfstoffen gegen die Seuche forschte und dafür abgeschwächte Erreger verwendete. Von dort aus sprang das Virus aller Wahrscheinlichkeit nach auf die Rinderherde eines benachbarten Bauernhofes über, wo es bislang mehr als sechzig Tiere infiziert hat. In Hessen und Rheinland-Pfalz wurden vorsorglich mehrere Höfe geschlossen, die vor Kurzem Schafe aus Südengland importiert hatten.

Die MKS ist eine fieberhafte Erkrankung, die durch ein unbehülltes RNA-Virus der Familie Picornaviridae ausgelöst wird. Sie befällt überwiegend Klauentiere, dazu gehören zum einen domestizierte Wiederkäuer wie Rind, Schaf und Ziege sowie Hausschweine, zum anderen aber auch wildlebende Arten, etwa Rehe, Rotwild und Büffel. Den schwersten Krankheitsverlauf gibt es beim Rind: Infizierte Tiere bekommen hohes Fieber, werden apathisch und entwickeln die namengebenden Blasen an Maul, Zitzen und Klauen, die schließlich aufplatzen.

MKS beim Schwein
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Schaf und Ziege leiden in der Regel nicht so stark unter der Infektion, verbreiten das Virus aber ebenso weiter wie Rind oder Schwein. Die Erkrankung verläuft meist nur bei Kälbern und Ferkeln tödlich, führt aber in jedem Fall zu Lahmheit und geringer Milchleistung, und es gibt keine Behandlungsmöglichkeiten. Dadurch ist das Keulen der Bestände für die Landwirte unumgänglich.

Auch Menschen können sich in seltenen Fällen – sofern sehr enger Kontakt zu erkranktem Vieh besteht – infizieren, die Krankheit verläuft dann allerdings gutartig. Der Konsum von Milchprodukten und Fleisch wird vom Friedrich-Loeffler-Institut – Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit und Referenzlabor für die MKS in Deutschland – unter den gegebenen Hygienevorschriften selbst im Falle eines Seuchenausbruches als unbedenklich eingestuft.

Die Krankheit wird meist über direkten Kontakt mit infizierten Tieren (Atemluft, Sekrete, Milch, Dung) übertragen, allerdings kann Wind das Virus auch bis zu sechzig Kilometer weit über Land verdriften. Stärkster Überträger der Seuche ist das Schwein, das in einer Stunde bis zu 100 Millionen MKS-Erreger ausatmen kann – für die Infektion eines Rindes genügen bereits zehn davon. Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich drei bis sechs Tage.

Alle Lebewesen oder Gegenstände, die mit einem MKS-Opfer in Berührung kommen, können das Virus weiter übertragen. Daher müssen bei einer Infektion sämtliche Tiere eines Hofes und meist auch die Bestände der umliegenden Betriebe getötet sowie alle Gebäude, Geräte und Zufahrtswege penibel desinfiziert werden. Aufgrund dieser umfassenden Maßnahmen zur Seucheneindämmung starben bei der ersten Epidemie 2001 in England etwa sechs Millionen Tiere, und es entstand ein finanzieller Schaden von 12,6 Milliarden Euro – zumal auch strikte Exportverbote verhängt wurden. Aus diesem Grund gilt die MKS neben der Bovinen Spongiformen Enzephalopathie (BSE) als die wirtschaftlich schwerwiegendste Tiererkrankung.

Aktuell kommt die MKS regional in vielen Bereichen Afrikas, Asiens und Südamerikas vor, auch in der Türkei ist sie nach wie vor präsent. In Westeuropa gab es 2001 in Folge des englischen Ausbruches einzelne Infektionen in Frankreich, den Niederlanden und der Republik Irland. In Deutschland ist jeder MKS-Fall nach dem Tierseuchengesetz anzeigepflichtig. Die letzte Infektion trat 1988 auf, seitdem gilt das Virus hierzulande als ausgestorben.