Die meisten Amphibien gelten als zahnlose Tiere, die ihre Beute meist im Ganzen verschlucken. Doch vor einem Jahr entdeckten Biologen um Michael Barej vom Museum für Naturkunde Berlin, dass in den westafrikanischen Regenwäldern eine einzigartige Amphibienfamilie lebt, die zu den Säbelzahnfröschen zählt – benannt nach ihren zahnartigen Fortsätzen im Unterkiefer, die entfernt an die Stoßzähne von Elefanten beziehungsweise die gebogenen Beißwerkzeuge der Säbelzahnkatzen erinnern. Dazu besitzen sie zahlreiche weitere Zähnchen im Oberkiefer; ihre Kaulquappen hingegen weisen ein Saugmaul auf. Mit Hilfe von Genanalysen, Verbreitungsmustern und nur schwach erkennbaren morphologischen Unterschieden, kann die Gruppe um Barej nun allerdings zeigen, dass es mindestens noch vier weitere Arten dieser Säbelzahnfrösche gibt – und alle sind stark bedroht.

Scan des Säbelzahnfroschkopfes
© Kristin Mahlow, Museum für Naturkunde Berlin
(Ausschnitt)
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Auf den ersten Blick sehen sich die Spezies so ähnlich, dass sie einer einzigen Art zugeschrieben wurden, während sie sich von ihren weiteren Verwandten deutlich unterscheiden. Diese so genannte kryptische Vielfalt tritt bei verschiedensten Tier- und Pflanzengruppen auf und erschwert ihren Schutz, denn ein großer Bestand kann dadurch in mehrere, kleinere Teilpopulationen der einzelnen Vertreter schrumpfen. In Ökosystemen wie dem westafrikanischen Regenwald wird das zum Problem, da einzelne Habitate mittlerweile stark zerstückelt und durch landwirtschaftliche Flächen oder Straßen getrennt werden. Das belegen nun auch die evolutionär einzigartigen Säbelzahnfrösche, die ausschließlich in den verbliebenen Regenwaldfragmenten an schnell fließenden Gewässern mit Stromschnellen und Wasserfällen leben.