Über Nutzen und Nachteile der neuen sozialen Medien für die Psyche herrscht unter Wissenschaftlern Streit: Viele sorgen sich, dass mit Facebook, Twitter und Co auch der Druck auf den Einzelnen zunimmt, die neuen Möglichkeiten möglichst ständig benutzen zu müssen. Unter anderem die erwartete Erreichbarkeit auf immer mehr Kanälen erhöhe damit den sozialen und kommunikativen Stress und könne für Überlastung sorgen. Ein Team von Sozialwissenschaftlern möchte in diesem Punkt nun gerne Entwarnung geben: Ihre auf einer Umfrage beruhende Auswertung kommt zu dem Ergebnis, dass auch Dauernutzer nicht leiden – und Frauen, die über Netzwerke mit anderen im Austausch stehen, sogar weniger Stresssymptome als der Durchschnitt zeigen.

Die Demografen vom Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center hatten 1800 US-Amerikaner befragt, ihre Mediennutzung analysiert und nach dem Perceived Stress Scale (PSS) eingestuft, wie hoch die individuelle Belastung ausfällt. Insgesamt zeigten sich dabei am Ende keine statistisch relevanten Unterschiede etwa zwischen Männern und Frauen oder den gut 1000 Nutzern von sozialen Netzwerken und den knapp 800 ohne solche Accounts.

Dabei wäre ein Unterschied allein schon deshalb zu erwarten gewesen, weil der Einzelne ja mit zunehmender Kommunikation und Information auch von mehr belastenden Ereignissen erfährt: Wie die Forscher auszählten, erfahren die Nutzer über Facebook und Co zwischen 8 und 13 Prozent häufiger von belastenden Ereignissen wie Todesfällen oder Trennungen in ihrem weiteren Umfeld, was den eigenen Stress erhöhen sollte. Auffällig war als Einzelergebnis, dass Frauen, die mehrmals täglich auf Twitter kommunizieren, Fotos teilen und eher viele E-Mails bekommen, tatsächlich ein gegenüber dem Mittel um 21 Prozent reduziertes persönliches Stressniveau erreichten.

"Die von uns erhobenen Daten liefern keinerlei Hinweis darauf, dass die Nutzer der neuen digitalen Medien stärker gestresst sind als andere", fasst Studienleiter Keith Hampton von der Rutgers University zusammen. Mit der Studie ist allerdings nur angedeutet, dass Mediennutzung und Stress nicht auffällig zu korrelieren scheinen. Nicht untersucht haben die Forscher unter anderem, ob die typischen Nutzer sozialer Medien vielleicht ohnehin stressresistenter sind (und daher besser mit verstärkter Mediennutzung klarkommen) oder ob anfälligere Personen eher zu Sozialmedienmuffeln werden, um ihre Ruhe zu erhalten. Der Einfluss sozialer Medien als solcher könnte so gut hinter entscheidenderen psychologischen Faktoren verblassen.