Als ich in den 1990er Jahren in Aachen und Köln Physik studierte, waren sie in ihrer seltsamen Nochnichtexistenz auf eigenartige Weise immer präsent. Beinahe ehrfürchtig sprachen die Professoren in den Vorlesungen von den bislang nicht entdeckten Gravitationswellen. So in theoretischer Elektrodynamik, als es um die maxwellschen Gleichungen sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen elektromagnetischen Feldern und Gravitationsfeldern ging – und viel intensiver noch in der Einführung in die Kosmologie. Heute haben Forscher des LIGO-Experiments verkündet, erstmals überhaupt Gravitationswellen detektiert zu haben. Dies ist ein Meilenstein in der Geschichte der Physik, für mich noch beeindruckender als die Entdeckung des Higgs-Bosons 2012. Denn zwischen Postulierung und Nachweis heute liegen 100 Jahre – so knifflig gestaltete sich die jahrzehntelange Suche.

Von daher kann man die Leistungen Einsteins, der mit seiner allgemeinen Relativitätstheorie die Existenz der Gravitationswellen einst postulierte, und die der Experimentalphysiker heute auch als beeindruckenden Beleg für die Fähigkeit des Menschen lesen, sich die Welt zu erschließen, in der wir leben, und die naturgesetzlichen Grundlagen, auf denen sie basiert.

Die nobelpreiswürdige Entdeckung des heutigen Tages öffnet Astronomen und Physikern ein neues Fenster in den Kosmos. Zu diesem Erfolg haben auch Wissenschaftler des deutschen Gravitationswellendetektors GEO600 bei Hannover beigetragen. Wenn es gelingt, die Technologien zur Messung von Gravitationswellen weiter zu verfeinern, werden die Forscher künftig mehr erfahren speziell über die exotischen Gebilde im All – allen voran Schwarze Löcher, aber auch über den Urknall. Anwendungen im Sinn einer "Gravitationstechnik" analog zur Elektrotechnik stehen hingegen nicht ins Haus. Es geht um Erkenntnis, es geht um unser Verstehen. Und es lohnt sich, hier auch weiter zu investieren.