Forscher sind beim Vergleich von Erbgut des Homo sapiens und des Neandertalers sowie des noch immer recht rätselhaften Denisova-Menschen auf einen kleinen, aber womöglich bedeutsamen Unterschied gestoßen. Anders als die beiden verwandten Arten hat der moderne Mensch eine Variante des Gens AHR, die es ihm ermöglicht, den Rauch von Feuer besser zu tolerieren. Zu diesem Ergebnis kam jedenfalls ein Team um Gary Perdew von der Pennsylvania State University.

Gerade in den kälteren Klimazonen Europas und Asiens waren alle drei Menschengruppen auf die Wärme ihres Lagerfeuers angewiesen, zudem lässt sich gekochte oder gegrillte Nahrung besser verdauen. Die beiden archaischeren Arten dürften sich diese Vorteile allerdings mit größeren gesundheitlichen Risiken erkauft haben als der moderne Mensch. Rauch wirkt Krebs erregend, er kann sich auf Kinder im Mutterleib auswirken und der Entstehung von Lungenkrankheiten Vorschub leisten.

Das fragliche Gen kodiert für einen Rezeptor, an den polyzyklische Kohlenwasserstoffe binden, was weitere Stoffwechselvorgänge anstößt, in deren Verlauf schädliche Substanzen entstehen. Bei der Variante, die seit weit über 40 000 Jahren in unserem Erbgut zu finden sein dürfte, ist die Bindungsaffinität zu diesen Stoffen extrem stark herabgesetzt – zumindest im Vergleich zu den archaischeren Varianten. Dadurch entstehen weniger Giftstoffe, wie der Test mit Zellkulturen ergab. Die Forscher hatten dazu die entsprechenden Genvarianten in Testzellen eingepflanzt und diese mit den polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen traktiert.

Für die Wissenschaftler ist darum klar, dass Neandertaler und Denisovaner erheblich stärker unter den schädlichen Auswirkungen von Lagerfeuern und gegrilltem Fleisch gelitten haben dürften. Ob dies zu ihrem Aussterben beitrug, wie die Forschergruppe spekuliert, oder ob Neandertaler – die mutmaßlich über viele Jahrhunderttausende den Umgang mit Feuer beherrschten – andere Mechanismen etablierten, die sie den Rauch vertragen ließen, ist offen.