Nicht nur weit entfernte Objekte profitieren von der kommenden Neumonddunkelheit, auch näher vor unseren Augen spielt sich Interessantes ab: So sind zurzeit drei unterschiedliche Meteorströme aktiv. Fast jeder hat schon einmal Meteore gesehen, die auch Sternschnuppen genannt werden. Sie entstehen durch winzige Partikel, die von Kometen bei ihren Umläufen um die Sonne auf ihren Bahnen zurückgelassen werden. Durchläuft die Erde diese Bahnen, so treten die Partikel mit hoher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre ein und verglühen dabei. Schon ein millimetergroßes Staubteilchen sorgt für eine auffällige Leuchterscheinung. Auch eine grelle Feuerkugel, ein Bolide, kann bei einem Meteorstrom dabei sein, wenn ein etwa faustgroßes Bröckchen in die Atmosphäre eintritt.

Meteorströme im November
© Levin Dieterle
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Mitte November lassen sich die Meteore des jährlich wiederkehrenden Meteorstroms der Leoniden sichten. Sie stehen in ihrer Intensität den berühmteren Perseiden im August nicht nach, die wegen des dann meist wesentlich besseren und wärmeren Wetters häufiger beobachtet werden. Dieses Bild nahm Levin Dieterle in Oberwolfach auf.
Für weitere Informationen über das Geschehen am Nachthimmel im November empfehlen wir Ihnen die monatliche Rubrik "Aktuelles am Himmel", die in jedem Heft von "Sterne und Weltraum" erscheint.

Der aktivste Meteorstrom im November sind die Leoniden. Sie erreichen Mitte des Monats ihr Maximum mit etwa 15 Sternschnuppen pro Stunde. Sie sind nach dem Sternbild Löwe, auf Latein Leo, benannt, weil sich ihr scheinbarer Austrittspunkt am Himmel, der Radiant, in diesem Sternbild befindet. Zusätzlich sind die Iota-Aurigiden zu sehen; sie liefern etwa sieben bis acht Meteore pro Stunde und stammen aus dem Sternbild Fuhrmann (lateinisch: Auriga). Das Schlusslicht bilden die nördlichen Tauriden aus dem Sternbild Stier (Taurus) mit nur zwei Meteoren pro Stunde. Diese Angaben sind die so genannten zenitalen Stundenraten. Sie geben an, wie viele Meteore bei optimalen Bedingungen theoretisch sichtbar sind, also bei klarem, tiefdunklem Himmel fernab von künstlichem Licht, während der Radiant im Zenit steht. Jedoch lässt sich nie gleichzeitig der komplette Himmel beobachten, und die Sternschnuppen können auch in Horizontnähe auftreten. Man sieht also in der Regel wesentlich weniger.

Das berühmte Sternbild Orion ist die ganze Nacht über zu sehen. Es beherbergt viele helle Sterne und Nebel. Der bekannteste davon ist der Große Orionnebel, der sich aus den Messierobjekten M 42 und M 43 zusammensetzt und im Schwertgehänge des Himmelsjägers zu finden ist. Der galaktische Nebel hat die höchste Flächenhelligkeit am ganzen Firmament und ist bei guten Bedingungen schon im Fernglas sichtbar. Deshalb ist er meistens das erste Deep-Sky-Objekt für angehende Astrofotografen. Besonders zur Geltung kommt er mit einem Weitwinkelokular mit etwa 100-facher Vergrößerung, mit der man die schönen "Schwingen" und Filamente des Nebels abfahren kann.

Der Goße Orionnebel
© Herbert Wallner
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Der wohl bekannteste Gasnebel und das uns nächste Sternentstehungsgebiet am Nordhimmel ist der Große Orionnebel Messier 42 im gleichnamigen Sternbild. Herbert Wallner fotografierte ihn von Schönaich aus im Dezember 2016 und verwendete hierfür ein Zehn-Zoll-Newton-Teleskop mit 1000 Millimeter Brennweite.

In der Mitte des Nebels liegt das Trapez, eine Anordnung von vier hellen und heißen Sternen, die den Nebel von innen zum Leuchten anregt. Eine dicke Staubwolke trennt den kleinen Zipfel Messier 43 vom großen Messier 42. Aufnahmen des Weltraumteleskops Hubble zeigen, dass sich mitten im Orionnebel Staubkokons befinden, in denen gerade neue Sterne und womöglich Planetensysteme entstehen. Über dem Orionnebel ist der "Running Man" zu sehen, eine Nebelstruktur, die große Ähnlichkeit mit einem Ampelmännchen hat und um einiges leuchtschwächer ist als Messier 42/43.

Sternentstehung im Orionnebel
© C.R. O'Dell/Rice University; NASA
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Mit dem Weltraumteleskop Hubble konnten im Inneren des Orionnebels Messier 42 Kokons aus Staub und Gas beobachtet werden, in denen sich gerade neue Sterne und wahrscheinlich auch Planeten bilden.
Pferdekopfnebel und Flammennebel
© Michael Schröder
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Oberhalb des Großen Orionnebels befindet sich der Pferdekopfnebel IC 434 in der Nähe des rechten Gürtelsterns Alnitak. Links unterhalb des Pferdekopfnebels zeigt sich der Flammennebel. Das Bild nahm Michael Schröder von Bremervörde mit einem 420-Millimeter-Objektiv auf.

Ein weiteres Nebelgebiet im Orion ist der Pferdekopfnebel. Er befindet sich etwas unterhalb des linken Gürtelsterns Alnitak im Orion. Der Pferdekopfnebel hat seinen Namen von einer auffälligen Dunkelwolke, die vor einem Hintergrund aus leuchtenden Wasserstoffnebeln schwebt. Ihre Form erinnert an ein Seepferdchen. Auch in dieser Wolke entstehen gerade neue Sterne, was professionelle Astronomen im Infraroten sichtbar machen können, denn Infrarotstrahlung kann die Wolken aus Staub und Gas durchdringen.

Das Sternbild Orion mit Emissionsnebeln (Übersichtaufnahme)
© Dietrich Ehmann
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Eine lang belichtete Aufnahme des Sternbilds Orion enthält zahlreiche Nebelgebiete. Der berühmte Große Orionnebel Messier 42 befindet sich direkt unterhalb der Bildmitte. Der rote lang gezogene Bogen wird auch als Barnards Loop bezeichnet. Das Bild nahm Dietrich Ehmann von La Palma aus auf.

Der Pferdekopfnebel bleibt jedoch den Amateurastronomen mit größeren Instrumenten vorbehalten und ist direkt extrem schwierig zu sehen. Fotografisch ist er dagegen leicht aufzunehmen. Ein einfaches Teleobjektiv und wenige Minuten Belichtungszeit reichen dafür ohne Weiteres aus. Visuell wird mindestens eine Teleskopöffnung von 30 Zentimetern und ein H-Beta-Filter benötigt. Der Filter ist nicht weit verbreitet und daher recht teuer, denn er eignet sich nur für wenige Himmelsobjekte. Tatsächlich gibt es im Orion viele Nebel, die sich zwar visuell nicht beobachten lassen, aber fotografisch spektakulär aussehen. Dazu gehören neben dem Pferdekopfnebel auch der Flammennebel ganz in der Nähe von Alnitak, der blau-weiße Hexenkopfnebel neben Rigel und zudem Bernards Loop, eine sichelförmige rote Wasserstoffwolke, die sich fast über das komplette Sternbild Orion erstreckt.