Das boomende Forscherfeld der Mikrobiomik hat in den vergangenen Jahren herausgefunden, dass jeder Mensch ein persönliches Artengemisch von Bakterien im und am Körper beherbergt. Daher hinterlassen wir überall dort, wo wir uns aufgehalten haben, auch eine Art mikrobiellen Fingerabdruck, der dann zum Beispiel für einige Zeit unserem Mobiltelefon, unserem Arbeitsplatz im Büro oder unserer Wohnung einen charakteristischen Stempel aufdrückt. Diesen zu analysieren ist noch eine Herausforderung, weil eine Unzahl von DNA-Schnipseln aus der Umwelt sequenziert und den entsprechenden Mikroben zugeordnet werden müssen.

Fraglich blieb zudem, wie dauerhaft ein solcher Mikrobiomfingerabdruck ist, vor allem, wenn er nicht ständig von der Anwesenheit einer bestimmten Person erneuert wird: Schließlich kann sich eine Mikrobengemeinschaft verändern und tut dies insbesondere auch dann, wenn die Keime aus ihrem natürlichen Umfeld am Körper auf künstliche Oberflächen verbracht werden. Skeptische Mikrobiologen vermuten zudem, dass an einem Ort, an dem mehrere Menschen ihr Mikrobiom hinterlassen haben, wegen der ständigen Durchmischung bald kein individueller Keimabdruck mehr zu erkennen sein dürfte. Solchen Fragen gingen jetzt Forscher um Curtis Huttenhower von der Harvard University nach.

Dazu sammelten die Wissenschaftler zunächst das charakteristische Mikrobengemisch in und an 120 Freiwilligen an verschiedenen Tagen und erstellten aus diesen Proben mit Hilfe eines Rechenalgorithmus einen individuellen Keimkode. Dann testen sie nach einigen Monaten, ob sie mit diesen Kodes einzelne Proben bestimmten Personen zuordnen konnten. Das gelang nur mittelgut – immerhin in rund einem Drittel der Fälle –, bis sie sich vor allem auf die Bakterien der Darmflora beschränkten, die auch über längere Zeit hinweg stabiler zusammengesetzt zu sein scheint. Am Ende gelang es immerhin, 86 Prozent der Probanden an ihrem Mikrobenabdruck zu identifizieren. Als forensische Methode tauge das natürlich nicht, so die Forscher: Wo man Mikroben hinterlässt, hinterlässt man immer auch Spuren der eigenen DNA, die viel genauer zuordenbar ist. Und auch an eine Erfolg versprechende Analyse von mehreren Proben gleichzeitig sei derzeit noch nicht zu denken – obwohl die Analyse- und Kodierungsverfahren allmählich immer ausgereifter werden.